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SZ vom 04.12.2008 - Leserbriefe

Leserbrief zum Artikel "Die ganze Stadt gedenkt der Verbrechen", SZ 8./9.11.2008


Zu Recht hat Frau Knobloch behauptet: "Bei der Erinnerungsarbeit geht es vor allem darum, dass jeder Bürger seine Verantwortung wahrnimmt, damit diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit nie wieder geschehen können." Desto befremdlicher ist es, dass sie denjenigen, "die über ein großes Geschichtsbewusstsein verfügen", wie sie es formuliert, verbieten will, Stolpersteine in München vor jenen Häusern zu verlegen, aus denen Juden, Roma und Sinti, Homosexuelle, politisch und religiös Verfolgte sowie "Euthanasie"-Opfer herausgerissen und in den Tod geschickt wurden. Es ist doch völlig unlogisch, dass die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Hauseigentümern und Angehörigen der Opfer vorschreibt, wie sie sich der Geschichte am authentischen Ort in ihrer direkten Nachbarschaft zu erinnern haben.

Der große Andrang bei der Premiere des Films "Stolperstein" im Münchner Theatiner-Kino, bei dem die Regisseurin Dörte Franke und der heute in Manchester lebende Peter Jordan - die "Stolpersteine"; in der Mauerkircherstraße für seine Eltern wurden 2004 von der Stadt entfernt - anwesend waren, ist ein Beweis dafür, dass es "Menschen gibt, die sich für das Gedenken verantwortlich fühlen", um Frau Knobloch zu zitieren. Es sind diese Bürger unserer Stadt, die den Opfern des Nationalsozialismus ihren Namen wiedergeben möchten und damit ihre Verantwortung nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Gegenwart und Zukunft zum Ausdruck bringen. Was für meine in Auschwitz ermordeten Großeltern in einem kleinen Ort im Harz möglich war, soll ausgerechnet in der Stadt untersagt bleiben, die spätestens nach 1933 eine so unrühmliche Rolle gespielt hat? So etwas nenne ich "geschichtsvergessen".

Judith Bernstein , München






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Stolpersteine in München