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Süddeutsche Zeitung vom 13.08.2008      

Umstrittenes Gedenken

Neue Stolpersteine erinnern an ermordete Juden

Auf einem Privatgrundstück in Schwabing erinnern drei Gedenksteine an die Opfer der NS-Zeit.       Foto: Rumpf      

Jeanette Weiss war 71 Jahre alt, als die Nazis sie in Theresienstadt ermordeten. Nun erinnert ein goldfarbener „Stolperstein" auf einem Privatgrundstück an der Schwabinger Viktor-Scheffel-Straße 16 an die Mutter von zehn Kindern. Gesetzt hat ihn der Künstler Gunter Demnig. Rund 14 000 dieser Mahntafeln hat er schon in Deutschland verlegt und dafür das Bundesverdienstkreuz bekommen.

In München aber ist sein Projekt umstritten, die Israelitische Kultusgemeinde lehnt die Stolpersteine ab. Der Stadtrat hat ihm daher 2004 untersagt, die Steine auf öffentlichem Grund zu verlegen. „Die Stadt will eine Monopolstellung für das Gedenken", kritisiert Reiner Bernstein von der Initiative „Stolpersteine für München". Um das Verbot zu umgehen, verlegt Gunter Demnig die Steine auf privaten Grundstücken, mit Erlaubnis der Eigentümer.

Einer von ihnen ist Arno Humer. Er lebt in dem Haus, in dem Jeanette Weiss einst wohnte. „Man muss auch mal was tun, nicht nur Geld verdienen", sagt Humer. Er versteht zwar den Einwand von Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, dass auf den Gedenksteinen „herumgetrampelt" werden könne. „Trotzdem ist es wichtig, die Menschen vor ihrer eigenen Haustür zu mahnen, auch wenn es unbequem ist", sagt er.

Auf einem Flugblatt ist er auf den Namen von Jeanette Weiss aufmerksam geworden. Mit den anderen Eigentümern übernahm er die Patenschaften für drei Steine, 95 Euro das Stück. Sie erinnern nun an das Schicksal von Weiss und zwei ihrer Kinder, Julie Katharina und Leopold. Im Nachbarhaus wurde ein weiterer Stein für die ermordete Judith Ziegler eingelassen.

msh


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in München verlegt

Einladung zur Verlegung (PDF)
Rede von Judith Bernstein
Fotos vom Verlegen
AZ vom 13.08.
MM vom 13.08.
SZ vom 13.08.
Schwabinger Anzeiger
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