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Münchner Merkur vom 13.08.2008      

Stolpern mit Kopf und Herz

Vier neue Stolpersteine für Nazi-Opfer

Künstler Gunter Demnig hat gestern vier neue „Stolpersteine" auf Privatgrund verlegt. Damit gibt es nun sechs „Stolpersteine" in München, die der Opfer der Nazis gedenken. Auf öffentlichem Grund bleiben die Steine aber verboten.

VON NINA GUT

Die kleinen Steine mit Messingplatten blinken golden im Sonnenlicht. Wem sie ins Au¬ge stechen, der bleibt stehen - und liest eine Inschrift, die ganz und gar nicht so schön ist wie das Gold, auf dem sie geschrieben steht: „Hier wohnte Jeanette Weiss, geb. Bauer, Jg. 1871, deportiert 1942, Theresienstadt, ermordet 6. 8. 1942". „Man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen", sagt Künstler Gunter Demnig über seine „Stolpersteine". Gestern verlegte er vier vor den Häusern an der Schwabinger Viktor-Scheffel-Straße 16 und 14 - für Jeanette Weiss und ihre Kinder Julie Katharina und Leopold sowie für Judith Ziegler.

Die Gedenksteine liegen knapp neben dem Gehsteig, im Hof der Häuser, in denen die jüdischen Opfer des Naziregimes lebten. Denn in München dürfen sie nur auf privatem Grund verlegt werden. Der Stadtrat hat sie auf öffentlichen Gehwegen verboten, weil die Namen der Opfer mit Füßen getreten würden. Das versteht die „Initiative Stolpersteine für München" nicht. „Es ist ein unerträglicher Vorgang, dass die Stadt darüber entscheidet, wie Familien ihrer Toten gedenken wollen", sagt Reiner Bernstein. Er glaubt, dass jedes Opfer das Recht auf individuelles Gedenken habe. Das sei bei Großprojekten nicht möglich. München ist die einzige Stadt, in der die „Stolpersteine" verboten sind. Der Kölner Künstler Demnig hat schon 16 000 Stück in ganz Europa verlegt. In anderen Großstädten liegen tausende der Steine auf den Wegen - in Hamburg rund 2300, in Berlin etwa 2000. Der erste Münchner „Stolperstein" an der Mauerkircherstraße 13 wurde am 16. Juni 2004 wieder herausgerissen, weil der Stadtrat das Projekt an diesem Tag ablehnte. Im September 2007 wurde dann der erste Stein auf privatem Grund an der Viktor-Scheffel-Straße 19 verlegt. Der zweite liegt im Schaufenster der Werkstatt-Galerie (Zentnerstraße). Als Demnig den ersten Stein an der Viktor-Scheffel-Straße 19 in den Boden einließ, wurde Nachbar Arno Humer aus Haus Nummer 16 aufmerksam: Er entdeckte, dass auch in seinem Haus Juden lebten, die ermordet wurden. Da dachte er: „Jetzt ist es an mir, diesen kleinen Schritt zu tun und daran zu erinnern, dass das nie mehr passieren darf."


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in München verlegt

Einladung zur Verlegung (PDF)
Rede von Judith Bernstein
Fotos vom Verlegen
AZ vom 13.08.
MM vom 13.08.
SZ vom 13.08.
Schwabinger Anzeiger
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