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Abendzeitung vom 13.08.2008    

Neue Stolpersteine in Schwabing

Viktor-Scheffel-Straße: vier Messingplatten erinnern an die Opfer

Jeanette Weiss. Julie Katharina Weiss. Leopold Weiss. Schlicht, aber unübersehbar glänzen ihre Namen, auf Schwabinger Boden gemeißelt. Dazu ihr Deportationsdatum, Konzentrationslager und Datum der Ermordung. In der angrenzenden Einfahrt ist Künstler Gunter Demnig noch am Werk, er setzt den vierten Stolperstein. Judith Ziegler.

Auch sie hat damals hier in der Viktor-Scheffel-Straße gewohnt, neben der Familie Weiss.

„Dass die Stadt darüber entscheiden will, wie die Überlebenden ihrer Familienangehörige gedenken, geht meines Erachtens nicht", sagt Reiner Bernstein, Vorsitzender des Vereins „Stolpersteine für München". Direkt auf dem Gehweg dürfen die kleinen Messingplatten in München nicht angebracht werden - auf dem Andenken der Opfer des Nationalsozialismus soll nicht herumgetrampelt werden können.

Diese Argumentation kann keiner verstehen, der gestern der Aktion beiwohnte: Politiker, darunter Bundestags-Mitglied Axel Berg (SPD) und Menschen, die Angehörige im Dritten Reich verloren haben.

„Ich war Sternträger", sagt etwa Werner Grube. Er überlebte das KZ Theresienstadt. Drei seiner Tanten und deren Familien nicht. „Eine gute Sache", findet der 78-Jährige die Stolpersteine. „Noch schöner wären sie auf dem Gehweg."

Dort verlegt Gunter Demnig in anderen Städten seine Andenken. Fast 16 000 sind es mittlerweile. Wer stehen bleibt, um die Inschrift der Messingplatten zu lesen, verneige sich vor den Opfern.

Wie vor Jeanette Weiss, ihren beiden Kindern und Judith Ziegler, die alle zwischen 1941 und 1944 in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Über Demnigs Werk ist jetzt ein Film gedreht worden. „Stolperstein" kommt im Herbst in die Kinos. Und bringt die Debatte um ihr Verbot vielleicht aufs Neue ins Rollen.

Laura Kaufmann


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Einladung zur Verlegung (PDF)
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Schwabinger Anzeiger
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