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Münchner Merkur vom 27.11.2007

Grüne: Klare Vorgaben

"Nicht nur individuelle Erinnerungen verblassen, auch im kollektiven Gedächtnis einer Stadt werden Erinnerungen schwächer. In dem Maße, wie wir uns von den zu erinnernden Ereignissen entfernen, verlieren auch die Erinnerungsorte im öffentlichen Raum an Bedeutung.

In zwei ganztägigen Symposien hat der Stadtrat gemeinsam mit Künstlerlnnen, HistorikerInnen, Opferverbänden, Jugendlichen sowie Bürgerinnen und Bürgern diskutiert, wie ,Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens' an die Opfer des Nationalsozialismus aussehen könnten. Wichtige Erkenntnis war: Die Künstlerlnnen brauchen eine klare Aufgabenstellung. Will die Stadt ein zentrales oder dezentrale Kunstwerke? Sollen alte Erinnerungsorte einbezogen werden oder nicht? Kurz: Das wirklich Neue muss klar benannt werden. Stattdessen gibt es jetzt einen Stadtratsbeschluss für einen Künstlerwettbewerb, der diese Fragen an die Künstler weitergibt.

Die Debatte ist aber noch nicht beendet, der Künstlerwettbewerb ein Zwischenschritt. Wie reagiert die Stadt, wenn zehn Kunstwerke ein neues Erinnerungsnetzwerk legen sollen - dann hätten wir 310 statt 300 NS-Erinnerungsorte in München. Was, wenn ein neuer zentraler Erinnerungsort vorgeschlagen wird -kann das Mahnmal am Platz der Opfer dann noch Bestand haben? Es mag richtig sein, jetzt die Künstler zu befragen. Ob der Stadtrat Antworten bekommt, die erselbst noch nicht geben konnte, bleibt abzuwarten. Vielleicht zwingen uns erst die Künstler zu Antworten, vielleicht bringen. sie uns die Lösungen.

Es gilt, die Menschen zu erreichen, für die der Holocaust so fern ist wie der I. Weltkrieg. Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens sollten die aktive Teilnahme Einzelner ermöglichen. Auch wenn die ,Stolpersteine' (kleine Gedenktafeln im Boden) nicht zur Debatte stehen: Das Entscheidende an ihrem Erfolg ist, dass sie ein sich selbst erweiterndes Erinnerungsnetzwerk sind, an dem jeder Anteil nehmen kann, indem er fürein NS-Opfer einen Stolperstein verlegen lässt. Neue Formen müssen individuelle Erinnerungsarbeit ermöglichen. Denn das wäre das Neue: Ein demokratisches Erinnerungsnetzwerk, das sich von unten entwickelt und mit einer eigenen künstlerischen Grundform stärkt."

Siegfried Benker, Fraktionschef der Grünen im Rathaus


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Stolpersteine in München