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Kölner Stadtanzeiger vom 28.10.2007

Stolpersteine für die Erinnerung

Das NS-Dokumentationszentrum widmet Gunter Demnig zum 60. Geburtstag eine Ausstellung.

VON RALF JOHNEN

Widerstand gegen seine Arbeit ist Gunter Demnig gewöhnt. So hat es in den 90er Jahren einige Mühen gekostet, ehe er dem Kölner Tiefbauamt begreiflich machen konnte, dass seine Stolpersteine keineswegs zehn Zentimeter aus dem Bordstein herausragen, sondern ebenso tief im Boden verankert werden.

Mehr noch als mit praktischen Vorbehalten gegen sein Projekt hatte der gebürtige Berliner freilich immer mit Vandalismus, aber auch mit ideologischer Ablehnung zu kämpfen. Bis heute etwa sperrt sich die Stadt München gegen die Verlegung von Stolpersteinen. Und auch Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrats der Juden, ist erklärte Gegnerin der markanten Messingsteine. Ihre Begründung: Es gehe nicht an, dass jemand wie Demnig, der die Greuel des NS-Regimes nicht selber erlebt habe, auf diese Art an ermordete Juden erinnere.

Trotz allem hat Gunter Demnig mittlerweile gut 13 000 Stolpersteine verlegt – in 280 deutschen Kommunen ist er mit seiner Arbeit präsent, hinzu kommen elf Städte in Osterreich und neuerdings auch 13 in Ungarn. Grund genug für das NS-Dokumentationszentrum, dem seit 1985 in Köln lebenden Künstler heute, zu seinem 60. Geburtstag, eine Ausstellung zu widmen.

Das Haus am Appellhofplatz dokumentiert genau, wie es dem stets um politisches Engagement bemühten Künstler gelungen ist, den öffentlichen Raum für sein Projekt zu gewinnen. Wie Kuratorin Karola Fings erklärt, wurde das Konzept zur Ausstellung erarbeitet, als klar war, dass in Budapest die ersten Stolpersteine verlegt werden. Dies habe der Erklärung bedurft, wobei dem dortigen Publikum bewusst vor Augen geführt worden sei, dass Demnigs Arbeit auch darin bestehe, an die anderen Minderheiten zu erinnern, die von den Nationalsozialisten systematisch ermordet worden sind: Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und politisch Verfolgte.

Gunter Demnig zeigt einen Stolperstein

Gunter Demnig mit einem Stolperstein
      Bild: Rakoczy

Trotz der großen Anzahl der Stolpersteine – ab November werden auch in den Niederlanden erste Exemplare verlegt – will Demnig auch in Zukunft „keine Fabrik" werden. Viel mehr gehe es ihm immer darum, an das Individuum zu erinnern. Dabei, sagt er, kommen zwangsläufig immer neue Details der Geschichte zutage. So sei in Köln kaum bekannt, dass August Sanders Sohn Erich hier gelebt habe. 1935 wurde er von den Nationalsozialisten wegen seiner kommunistischen Gesinnung zu zehn Jahren Haft verurteilt. Das Ende seiner Strafe erlebte er nicht mehr: Im März 1944 starb er im Zuchthaus Siegburg – Todesursache ungeklärt. In der Dürener Straße 201 wird fortan ein Stein an ihn erinnern.

"Stolpersteine" — Gunter Demnig und sein Projekt, bis 13. Januar im NS-Dokumentationszentrum in Köln, Appellhofplatz 23-25. Ein begleitendes Buch ist für 9,80 Euro bei Emons erschienen.


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Stolpersteine in München

Ehrungen für Gunter Demnig:

25.01.05 Jew. Hist. Award: Presse

04.10.05 Verdienstkreuz

20.08.06 Altern. Ehrenbürger Köln

28.10.07 Ausstellung Stolpersteine
            Laudatio zum 60. Geburtstag

03.12.07 Gisbert-Lewin-Preis

23.05.08 Botschafter für Demokratie und Toleranz