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Süddeutsche Zeitung vom 03.09.2007, Münchner Teil      

Der erste Stolperstein

In memoriam Heinrich Oestreicher: Gedenktafel auf privatem Grund erinnert an ein Opfer der Nazis

Thomas Nowotny hat Tränen in den Augen. Der Kinderarzt aus Rosenheim ist ein entfernter Verwandter des Mannes, dem der erste, auf privatem Grund verlegte "Stolperstein" in München gewidmet ist. "Heinrich Oestreicher war der Neffe meiner Urgroßmutter" erzählt er. Dass der Stadtrat die Verlegung der Stolpersteine auf öffentlichem Grund untersagt hat, kann er nicht verstehen. Auch sein zehnjähriger Sohn Daniel schüttelt darüber nur den Kopf. Er sagt "Man muss doch einsehen, dass die Menschen, die damals gelitten haben, genauso wichtig sind wie die Menschen von heute"

Es geht um das individuelle Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus, um Juden, Sinti, Roma oder Homosexuelle. Mehr als 5000 Schicksale, an die nach Ansicht der Initiative "Stolpersteine für München" auch im normalen Alltag erinnert werden muss. Mehr als 100 Menschen treffen an diesem Samstag in der Viktor-Scheffel-Straße 19 zusammen, um der ersten Verlegung eines dieser Steine beizuwohnen. Eine gewisse Genugtuung ist vielen von ihnen anzumerken. darüber, dass Künstler Gunter Demnig den ersten Stein Münchens in der Nachbarschaft von OB Christian Udes Privatwohnung in den Boden zementiert " Haarscharf am öffentlichen Grund", wie Demnig selbst sagt.

Künstler Gunter Demnig hat bereits mehr als 12 500 Stolpersteine verlegt,
den ersten am Samstag auch in München.

Foto: Rumpf

Wie berichtet, hatte der Stadtrat 2004 der Initiative unter Berufung auf die jüdische Gemeinde eine Absage erteilt. Die heutige Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, hatte ebenso wie der jüdische CSU-Stadtrat Marian Offman damit argumentiert, dass das Andenken an die Opfer nicht "mit Füßen getreten werden" solle. Wolfgang Brix, Besitzer des Hauses in der Viktor-Scheffel-Straße‚ hat nun die Verlegung des ersten Stolpersteins - für den jüdischen Kaufmann Heinrich Oestreicher - auf seinem privaten Grund ermöglicht und damit auch Recherchen angestoßen zur Historie der Straße in Schwabing Hier waren besonders viele Menschen zuhause, die wahrend der Nazizeit deportiert und ermordet wurden: Der Hopfengroßhändler Philipp Bergmann lebte mit seiner Frau Sofie im Haus Nummer 11, er starb wenige Wochen vor der "Reichskristallnacht". Im selben Haus lebte Luise Drey. geschiedene Frau eines Kunsthändlers, die 1941 im litauischen Kaunas ermordet wurde. Mehr als 20 Jahre lang hatte die Kindergärtnerin Henriette Jacobi in der Nummer 1 gewohnt, sie starb in Auschwitz. Paula Levy betrieb im Haus Nummer 18 eine Versicherungsvertretung, ihren beiden Kindern glückte die Emigration, sie selbst nahm sich am 29 März 1938 das Leben. Der Historiker Sigmund Hellmann, ermordet in Theresienstadt, lebte im Anwesen Nummer 15, ebenso der in Paris geborene Universitätsprofessor Leopold Hermann Jordan. "Sie waren Nachbarn", überschreibt die Initiative ihre Zusammenstellung der Kurzbiographien. Man befinde sich, heißt es weiter, mit Hauseigentümern im Gespräch über weitere mögliche Gedenktafeln.

Astrid Becker, Anne Goebel


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1. September 2007:
der erste STOLPERSTEIN in München seit dem Verbot 2004 

Presse-Info zur Verlegung
Fotos vom Verlegen am 1.9.
epv vom 10.8.
MM vom 13.8.
AZ vom 27.8.
WK vom 31.08.
SZ vom 1.9.
MM vom 3.9.
WK vom 3.9.
SZ vom 3.9.
Bild vom 3.9.
DLF vom 3.9. [mpg-Datei, 2MB]
BR vom 7.9. [mpg-Datei, 0,5MB]