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AZ vom 27.08.2007

Der erste Stolperstein wird jetzt in München verlegt

Nicht auf städtischem, sondern auf privatem Boden. Er soll an den Naziterror erinnern

Montag, 27. 8. 2007

MÜNCHEN Mehr als drei Jahre ist es her, dass in der Stadt ein heftiger Streit um die „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig entbrannte. Schon fast wieder in Vergessenheit geraten, erhält die Debatte nun noch einmal neuen Zündstoff. Denn am 1. September wird in München der erste Stolperstein auf privatem Gelände verlegt. Auf städtischem Boden sind die Denkmäler zur Erinnerung an jüdische Mitbürger derweil weiter unerwünscht.

Rückblick: Im Juni 2004 sprach der Stadtrat sich gegen die Verlegung der Steine aus. Tausende der kleinen Denkmäler haben zu diesem Zeitpunkt bereits in ganz Deutschland Platz gefunden. Nur in München wollte man die mit einer Messingplatte versehenen Steine nicht haben. Neonazis sollten nicht den Schmutz ihrer Stiefel daran abwischen können, argumentierte damals der Stadtrat Marian Offman (CSU), der selbst Jude ist.

„Ich halte das für eine falsche Entscheidung. Wer behauptet, dass München besonders unter Neonazismus leidet, soll es erst einmal beweisen“, wettert Reiner Bernstein noch drei Jahre später.

Gleich nach der umstrittenen Stadtratsentscheidung gründete Bernstein mit Gleichgesinnten eine Bürgerinitiative in München, die seither für die Verlegung der Stolpersteine kämpft. „Die Bürger sind geschichtsvergessen“, erklärt Bernstein (68) seinen Ansporn. „Die meisten Leute wissen gar nicht, was sich in ihren Häusern damals abgespielt hat.“

Zumindest in der Viktor- Scheffel-Straße 19 soll sich das nun ändern. Von September an wird dort eine im Boden eingelassene Messingplatte an den Kaufmann Heinrich Oestreicher erinnern: 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert, 1944 ermordet. Der Gedenkstein soll im Eingangsbereich des Gebäudes platziert werden. Genau dort, wo es auch zu einem Kindergarten geht.

Gekauft hat den 95 Euro teuren Stein der Rentner Wolfgang Brix (68). Er wollte nicht länger hinnehmen, dass nichts in seiner Straße an die vielen Opfer des Nationalsozialismus erinnert — obwohl alleine in seinem Wohnhaus einst drei jüdische Familien lebten. Die evangelisch-methodistische Kirche, der das Gebäude gehört, war schnell überzeugt. „Für mich ist der Stein auch eine grundsätzliche Erinnerung daran, wie wichtig Respekt und Achtung vor dem Nächsten sind“, sagt Brix.

In feierlichem Rahmen soll die Messingplatte mit Oestreichers Namen nun am 1. September verlegt werden, und zwar vom Künstler und Bildhauer Gunter Demnig selbst. „Hoffentlich löst der erste private Stolperstein einen Domino-Effekt aus“, heißt es bei der Bürgerinitiative. Viele andere könnten dann folgen. Wenn schon nicht auf städtischem, dann doch zumindest auf privatem Boden.

J. Lenders


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Stolpersteine in München

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1. September 2007:
der erste STOLPERSTEIN in München seit dem Verbot 2004 

Presse-Info zur Verlegung
Fotos vom Verlegen am 1.9.
epv vom 10.8.
MM vom 13.8.
AZ vom 27.8.
WK vom 31.08.
SZ vom 1.9.
MM vom 3.9.
WK vom 3.9.
SZ vom 3.9.
Bild vom 3.9.
DLF vom 3.9. [mpg-Datei, 2MB]
BR vom 7.9. [mpg-Datei, 0,5MB]