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Münchner Merkur vom 09.08.2007

DER MENSCH DES TAGES


Katharina Prokopp aus Freising


Wer durch die Altstadt von Freising schlendert, der kommt leicht ins Stolpern. Auf Initiative von Katharina Prokopp (18) hat dort der Kölner Künstler Gunter Demnig 13 "Stolpersteine" verlegt, die an die Opfer des Nationalsozialismus in Freising erinnern. Katharina will, „dass dieses dunkle Geschichtskapitel nie vergessen wird“.

In einer Zeitschrift hat Katharina Prokopp von den Stolpersteinen Demnigs gelesen. Überall dort, wo in deutschen Städten jüdische Mitbürger verschleppt und umgebracht worden waren, hat der Künstler Pflastersteine mit einer Messing-Plakette verlegt. Darauf steht der Name des Nazi-Opfers, seine Lebens-Daten und sein Schicksal: "Deportiert". Das Thema ließ die junge Freisingerin, die aus Polen stammt, nicht mehr los. Was war damals in ihrer Stadt passiert? Hatte das Hitler-Regime dort auch Menschen in die Flucht getrieben, in Lager geschleppt, umgebracht?

Die Schülerin stürzte sich in die Recherche - und wurde im Stadtarchiv rasch fündig. Sie arbeitete sich durch alte Zeitungsartikel, sie wertete eine Facharbeit zum Thema aus, sie las Bücher. Am Ende standen vier Namen: Die Familien Holzer, Neuburger, Schülein und Levin - 13 Menschen, 13 Opfer des NS-Regimes.

Seit zwei Monaten blinken 13 Messing-Plaketten im Freisinger Stadt-Pflaster. Es dauerte geraume Zeit, bis das Thema im Stadtrat durch war. Schließlich aber gelang es Katharina Prokopp, alle davon zu überzeugen:

"Das Ganze ist erst 60 Jahre her. Und so stabil wie die Lage in Deutschland scheint, ist sie nicht. Es braucht nur das Gleichgewicht zu verrutschen und die Geschichte könnte sich wiederholen. Das darf nie passieren", sagt die engagierte junge Frau.

Künstler Gunter Demnig reiste auf ihre Anfrage hin persönlich nach Freising. Zunächst wurden Steine für die vier jüdischen Familien verlegt, dann mit neun weiteren Stolpersteinen ergänzt - für jedes einzelne Familienmitglied einer. Inzwischen sind die Stolpersteine eine Touristenattraktion: Vor allem Gäste aus dem Ausland zücken die Kameras und staunen über diese „germans“, die offensiv mit ihrer Geschichte umgehen. Einen Vorwurf hört die junge Freisingerin aber immer wieder: Es sei unwürdig, NS-Opfer quasi mit Füßen zu treten. Doch das lässt Katharina nicht gelten: "Je mehr Sohlen über die Messingplatte laufen, desto heller glänzt sie."

- HELMUT HOBMAIER


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Stolpersteine in München