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Süddeutsche Zeitung vom 30.07.2007, Münchner Teil

Ein Mittelweg für die Stolpersteine

Gärtnerplatz- und Fraunhofertheater sollen als Gedenk-Orte gewonnen werden

Am 12. August 1942 wurde der Oberspielleiter des Gärtnerplatztheaters deportiert. Herbert Loewenberg starb im Konzentrationslager Theresienstadt. Ein Stolperstein am Ort seines Wirkens soll künftig an ihn erinnern - so wünscht es sich eine Initiative im Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, die die Debatte um die in den Boden eingelassenen kleinen Gedenksteine wieder aufleben lassen will. Unterstützung erhält sie dabei von Reiner Bernstein, Sprecher der stadtweiten Initiative „Stolpersteine für München“.

Im Umkreis gebe es bereits zahlreiche Städte, die dies unterstützen und auch in der Landeshauptstadt hätten sich bereits einige Hausbesitzer bereit erklärt, so Bernstein, Für Interessenten steht er als Ansprechpartner zur Verfügung, finanziert wird die Aktion durch private Spenden. Im Bezirksausschuss will man das Thema ebenfalls weiter verfolgen, wenn auch Vorsitzender. Alexander Miklosy (Rosa Liste) darauf hinwies, dass es im Gremium zwar teilweise positiv, teilweise aber auch kritisch gesehen werde.

Schon vor anderthalb Jahren hatte sich Toni Kilger (SPD) für das Kunstprojekt zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus vor allem in der Isarvorstadt, wo viele Juden lebten, stark gemacht. Weil sich ein Stadtratsbeschluss - nicht zuletzt auf Wunsch der Israelitischen Kultusgemeinde - aber gegen Stolpersteine auf öffentlichem Grund ausgesprochen hatte, sollten Hausbesitzer gefunden werden, um die Steine auf Privatgrund zu verlegen - ohne große Resonanz.

Nun wollen Norbert Zimmer (Grüne) und Kilger einen Mittelweg gehen und die Theater am Gärtnerplatz und in der Fraunhoferstraße gewinnen. Beide Standorte seien ideal, weil sie quasi halböffentlich seien, erklärt Kilger - wie auch in der Hochschule für Musik in der Arcisstraße, wo bereits seit zwei Jahren Stolpersteine liegen. Beide Orte in der Isarvorstadt haben auch eine entsprechende Vergangenheit. Am Gärtnerplatztheater wurde der Spielleiter ein Opfer des Holocaust, in der Fraunhoferstraße 9, wo heute das Fraunhofertheater untergebracht ist, wohnten im Dritten Reich ein Kaufmann und ein Vertreter für Textilwaren. Sie wurden beide von den Nazis verschleppt und starben 1938 beziehungsweise 1941.

In zahlreichen Städten sind bereits tausende Steine verlegt worden - „nur in München, der Hauptstadt der Bewegung, ist das anscheinend nicht möglich“, sagt Kilger.

Sabrina Ebitsch


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Stolpersteine in München