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Münchner Merkur vom 12.01.2007

Die Stolpersteine rücken vor

U-Bahnhof Universität: Ausstellung zeigt die umstrittenen Stücke


SARAH SCHUHEN

Noch liegen die Stolpersteine nicht da, wo sie nach Ansicht ihrer Befürworter hingehören: vor den ehemaligen Wohnhäuser der Deportierten. Aber sie rücken unaufhaltsam vor in den öffentlichen Raum, immerhin haben sie jetzt schon eine U-Bahnstation erreicht.

Ihr Vorrücken ins alltägliche Bewusstsein, ins tägliche Erinnern, das ist das Ziel der Stolpersteine. „Wenn das öffentliche Bewusstsein und die Erinnerung abnehmen, werden Bürgerinitiativen wie wir immer wichtiger“, sagt Reiner Bernstein, Sprecher der Bürgerinitiative Stolpersteine München.

Steine sollen U-Bahngäste an die Aktion erinnern

Der Künstler Peter Weismann hat nun einige der Steine in einer Installation in der U-Bahnstation Universität am Ausgang Professor-Huber-Platz ausgestellt. Im Schaukasten des Bezirksausschusses Maxvorstadt liegen die Steine mit den „goldenen“ Metallplatten eingerahmt von gewöhnlichen Pflastersteinen. Über ihnen prangen fünf große Fotos von Opfern der Nationalsozialisten aus dem Stadtteil.

Sie sollen in den kommenden Wochen die U-Bahngäste mahnen – und an die Aktion Stolpersteine erinnern. Denn mit der Ausstellung geht die Diskussion in München in eine neue Runde und markiert einen weiteren Schritt auf einem mehr als zweijährigen Weg, den die Bürgerinitiative schon gegangen ist.

Im Juni 2004 hatte der Stadtrat beschlossen, dass in München keine Stolpersteine verlegt werden sollen. Damit stellte sich München gegen eine bundesweite Aktion, die in mehr als 140 Städten erfolgreich läuft. Die Stolpersteine werden von privaten Spendern finanziert, die eine Art Patenschaft für die Gedenksteine übernehmen. Die Steine tragen Namen und Geburtsdatum der Deportierten sowie das Datum der Deportation durch die Nationalsozialisten. Sie werden direkt vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer ins Straßenpflaster eingelassen.

„Wir wollen die Anonymität der Deportierten aufheben“, so Bernstein. Bei den Nachbarn soll so die Erinnerung wachgehalten werden. Einige Münchner haben bereits eine Patenschaft für Steine übernommen. Solange die Steine nicht verlegt werden dürfen, sind sie zum Teil im Foyer der Hochschule für Musik und Theater an der Arcisstraße 12 ausgestellt – und nun auch einige Wochen lang in der U-Bahnstation.

Die Bürgerinitiative will nicht aufgeben

Trotz des bundesweiten Zuspruchs sperren sich Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und der gesamte Stadtrat kategorisch gegen die Verlegung – und erhalten Unterstützung von Charlotte Knobloch, der Vorsitzenden des Zentralrates der Juden und der Israelitischen Kultusgemeinde in München. Sie halte es für unerträglich, dass auf den Tafeln, die an ermordete Juden erinnern, mit Füßen herumgetreten werde.

Die Bürgerinitiative will aber nicht aufgeben. Ihr Künstler Peter Weismann wendet sich am 26. Januar mit einer Performance an die U-Bahngäste: Zum Ende der Ausstellung wird die Glasscheibe geöffnet, die Steine werden in den U-Bahnhof und damit in den öffentlichen Raum fallen. In ihrer Mitte sitzt dann Peter Weismann und liest aus den Todeslisten eines SS-Sturmbahnführers. So will er demonstrieren, wie verwaltungsmäßig und banal das Böse war.


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