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zweiter Artikel in der gleichen Ausgabe der SZ vom 11.1.2007:  [ 1. Artikel in der SZ ]


Bekenntnis zur Erinnerung

In einigen Städten der Region gehören die Stolpersteine längst zum öffentlichen Erscheinungsbild

Von Felicitas Amler, Sabina Dannoura und Michael Ruhland

Mit der Aufarbeitung der Verbrechen der Nationalsozialisten haben sich die Tölzer in der Vergangenheit nicht immer leicht getan. Als es Mitte der neunziger Jahre darum ging, Mahnmale entlang des Todesmarsches der KZ-Häftlinge von Dachau ins Oberland aufzustellen, blockte die Stadtführung ab. Eine Gedenktafel am Friedhof erschien ihr ausreichend. Es bedurfte einer Burgerinitiative, die schließlich Geld für ein würdiges Denkmal an sichtbarer Stelle in der Kreisstadt sammelte. Die damalige Empörung bei den Zeitzeugen und einigen Bürgern flammte Jahre spater erneut auf, als die Stadt einer israelischen Delegation von Überlebenden des Todesmarsches zum 60. Jahrestag des Kriegsendes eine finanzielle Unterstützung versagte.

Doch die Kritik hat offenbar Wirkung gezeigt: Die Stolperstein-Aktion des Kölner Kunstlers Gunter Demmg erschien den Tölzern von Anfang an geeignet, die Erinnerung an die Nazi-Opfer wach zu halten. Bürgermeister Josef Niedermaier machte die Angelegenheit zur Chefsache und lud Vertreter von Bürgerschaft, Kirche, Schulen und das in Tölz lebende Weiße-Rose-Mitglied Marie-Luise Schultze-Jahn ins Rathaus. Die Oberlebende des Holocaust setzte sich von Anfang an für die Idee des Künstlers ein. Es entstand Ende 2004 ein Arbeitskreis, der einen eigenen Tölzer Weg wählte. Im Gegensatz zu Demnigs Konzept, Messingtafeln direkt vor den früheren Wohngebäuden der Nazi-Opfer anzubringen, wollte man die Platten gesammelt in der viel begangenen Fußgängerzone installieren. „Wir suchten einen Platz, wo die Leute auch wirklich drüberfallen“, sagt Niedermaier. Also wählte man den Bereich vor dem Heimatmuseum, dem historischen Rathaus der Tölzer. Der Beschluss im Stadtrat fiel einstimmig.

Inzwischen sind sechs Bronzetafeln mit den Namen jüdischer Holocaust-Opfer in den Gehsteig eingelassen Franz Mayer, Grünen-Stadtrat und einer der Initiatoren der Aktion, ist hochzufrieden. „Es werden noch weitere Steine verlegt. Wir kümmern uns jetzt um die Schicksale von Kommunisten und anderen politisch Verfolgten“. sagt Mayer. 14 Deportierte tauchen in den Akten auf. Die Recherche haben Schüler der FOS und des Gymnasiums übernommen. Unterstützung bekommen sie vom Stadtarchiv. „Die Schüler lernen dabei mehr als bei anderen Facharbeiten. Sie lernen etwas über das Leben“. bilanziert Mayer.

Befürchtungen, dass die Tafeln von Neonazis beschmiert oder regelrecht mit Füßen getreten würden, wie sie die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, geäußert hatte, haben sich laut Mayer in Bad TöIz nicht bewahrheitet. „Frau Knobloch hat eine falsche Vorstellung zu den Stolpersteinen Es geht ja nicht um einen jüdischen Friedhof“, sagt die Zeitzeugin Schultze-Jahn.

In Freising erinnern seit September 2005 vier Stolpersteine an jüdische Mitbürger, die den Nazi-Terror nicht überlebten. Die Initiative ging von der Gymnasiastin Katharina Prokopp aus, die mit ihren Eltern die Patenschaft übernahm. Vereinzelt gab es Bedenken gegen die Form der Erinnerung, der Großteil der Lokalpolitiker begrüßte jedoch die Aktion. In der Pogromnacht am 9. November 1938 vertrieben Nazis 13 Menschen aus Dachau. Die Stadt meldete sich „judenfrei“. An sechs Ermordete erinnern Stolpersteine. Die Tafeln haben in Dachau viel in Bewegung gebracht. Der Oberbürgermeister hat sich zu dieser Aktion bekannt, ebenso der CSU- Fraktionschef. Lange hat es gedauert, bis es am Ort des ersten Konzentrationslagers der Nazis selbstverständlich wurde, sich der Vergangenheit zu stellen. Am 9. November 2005 konnte Dachau stolz nach München blicken: Was dort verhindert wurde, fand hier auf einstimmiges Votum des Stadtrats statt.


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Presse: SZ v. 11.1.07
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