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Stolpersteine in München

Bundesverdienstkreuz für Gunter Demnig:

Begründung
Foto von der Ehrung
Empfang in München
Spiegel-Bericht
 Intervention aus München

BR vom 21.10.05

Münchner Intervention gegen die Ehrung von Gunter Demnig

Ude schreibt an Köhler

Ein Kommentar von Ulrich Trebbin

Am 4. Oktober 2005 erhielt der Kölner Künstler Gunter Demnig aus der Hand von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz. Da es von Seiten der Stadt München im Vorfeld der Verleihung ein Schreiben an das Bundespräsidialamt gab, beschäftigte sich der Kommentar von Ulrich Trebbin am 21. Oktober mit dem Vorgang.

Sicher ist nur eines: Oberbürgermeister Christian Ude hat einen Brief an Horst Köhler geschrieben und dem Bundespräsidenten darin seine Meinung zu den Stolpersteinen dargelegt. Was aber genau in dem Brief steht, ist nicht bekannt, denn die Ordenskanzlei des Bundespräsidenten bestätigt zwar, dass es diesen Brief gibt, will ihn aber aus Fairnessgründen nicht herausgeben. Immerhin sprechen einige Indizien dafür, dass Christian Ude versucht hat, das Bundesverdienstkreuz für den Stolpersteinkünstler Gunter Demnig zu verhindern:

Demnig selbst erzählt, dass ihn der Bundespräsident nach der Verleihung beiseite genommen und ihm mitgeteilt habe, dass es von Seiten der Stadt München Versuche gegeben habe, die Verleihung zu verhindern; das habe einige Aufregung verursacht. Auch Mitarbeiter der Ordenskanzlei sollen bei der Verleihung von Münchner Einmischugnsversuchen gesprochen haben, so Demnig.

Bei einem Anruf des BR-Reporters in der Ordenskanzlei bestätigte sich dieser Eindruck. Dabei stellte sich heraus, dass es die Münchner Stadtspitze selbst – nämlich der Oberbürgermeister – war, der einen Brief an den Bundespräsidenten geschrieben hatte. In dem Telefonat wird deutlich, dass man in Berlin einigermaßen irritiert war über Udes Brief. Der zuständige Mitarbeiter der Ordenskanzlei lässt durchblicken, dass der Bundespräsident durchaus in der Lage sei, sich eine Meinung über die Kandidaten für das Bundesverdienstkreuz zu bilden und dass er gewohnt sei, seine Entscheidungen ohne Einmischung von außen zu treffen. Schließlich habe man Ude nicht um eine Stellungnahme gebeten. Trotzdem versucht der Gesprächspartner, der Sache die Spitze zu nehmen: Man wolle den Orden auf keinen Fall beschädigen und deshalb größeren Wirbel vermeiden. Wörtlich sagt der Beamte: "Das Ordensgeschäft lebt von Diskretion. Ich kann Ihnen aber versichern, dass in Udes Brief nicht Spekatakuläres steht."

Warum dann aber all die Aufregung im Bundespräsidialamt? Der Mitarbeiter sagt sinngemäß: "Wir sind es zwar gewohnt, dass einzelne Bürger unsere Verleihungen kritisieren, aber der Brief eines Oberbürgermeisters kurz vor der Verleihung hat dann doch eine gewisse politische Brisanz."

Christian Ude möchte sich in der Sache nicht äußern. Auf die Anfrage des Bayerischen Rundfunks lässt er ausrichten: Er werde den Brief an Köhler nicht herausgeben. Ein Interview hat er ebenfalls verweigert. Warum er den Brief geschrieben hat, darüber kann man also nur spekulieren: Vielleicht wollte er einfach nur noch einmal um Verständnis für die Münchner Position werben? Aber das wäre eigentlich unnötig: Denn die Münchner Stolperstein-Debatte ist durch die ganze deutsche Presse gegangen, und Ude konnte davon ausgehen, dass dem Bundespräsidenten die Haltung der Stadt München hinlänglich bekannt war. Der Oberbürgermeister muss sich also nicht wundern, wenn man in Berlin verschnupft ist und seinen Brief als Einmischungs-Versuch deutet. Schließlich kam das Schreiben im Bundespräsidialamt zwei Tage vor der Verleihung an.

Christian Ude ist verständlicherweise nicht gerade begeistert darüber, dass der ungeliebte Künstler jetzt auch noch das Bundesverdienstkreuz bekommt: Denn München hat wegen seiner Haltung gegenüber den Stolpersteinen ohnehin keine gute Presse bekommen, und jetzt bringt die offizielle Auszeichnung noch mehr Gegenwind. Aber wenn die Stadt schon darauf besteht, in puncto Stolpersteine anders zu entscheiden als hundert andere Städte und Gemeinden in Deutschland, dann sollte sie dem Bundespräsidenten das Recht auf eine eigene Entscheidung ebenfalls zubilligen.

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