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Stolpersteine in München

ERSTE INSTALLATION "Führerbau"

Presse-Info zur Eröffnung
Fotos vom Verlegen
Rede von Peter Weismann
Bericht im Bayerischen Rundfunk
SZ vom 23.08.05
 SZ vom 02.09.05

Süddeutsche Zeitung vom 02.09.2005

Der nächste Versuch

Das Projekt Stolpersteine hofft auf eine Chance

Da liegen sie nun also - 25 Betonsteine mit Messingplatten drauf. Eingebettet in einen Weg aus weiteren Pflastersteinen, inmitten einem Feld aus Kieseln. Jede Platte trägt eine eigene Inschrift: "Hier wohnte Siegfried Fritz Jordan, Jg. 1889, deportiert 1941, Kaunas, ermordet 25.11.1941." Zum Beispiel. Oder einer der anderen Namen der vielen, vielen Münchner mit ähnlichem Schicksal.

Es sind die ersten 25 Stolpersteine, die nun ein Jahr lang in einer Ausstellung in der Musikhochschule zu sehen sind. Die Stolpersteine: Das Projekt des Künstlers Gunter Demnig, diese Pflastersteine vor den ehemaligen Wohnhäusern der Nazi-Opfer in den Bürgersteig einzusetzen, ist in mehr als 100 deutschen Städten verwirklicht. Der Münchner Stadtrat hat sich im Juni 2004 gegen diese Art des Erinnerns ausgesprochen. Mehr noch: Die zuvor verlegten ersten Steine wurden wieder herausgerissen. Die Musikhochschule an der Arcisstraße ist ein passender Ersatz-Ort für die Steine: Sie diente während des Dritten Reiches sechs Jahre lang als "Führerbau", in ihr wurde das Münchner Abkommen unterzeichnet.

Mit der Vernissage und einem vor Wochen verschickten Brief an den Kulturausschuss will die Initiative Stolpersteine-München nun einen neuen Versuch starten, dass die Steine vielleicht doch irgendwann an ihren eigentlichen Bestimmungsort finden. Einen Runden Tisch strebt die Initiative an, so Sprecher Reiner Bernstein. Dann könnten die verhärteten Fronten aufweichen und ein Kompromiss gefunden werden, meint er. Die Zeit sei reif für einen neuen Anlauf.

Bernstein ist zuversichtlich, dass es eine Annäherung geben könnte: Sechs SPD-Stadträte brachten bereits Ende Juli einen Antrag in den Stadtrat ein, der fordert, dass die Landeshauptstadt einen Wettbewerb ausschreibt zum Thema "Opfer des Nationalsozialismus -neue Formen des Erinnerns und Gedenkens". "Das ist ein erstes Zeichen des Entgegenkommens", interpretiert Reiner Bernstein.

Unterstützung erhält die Initiative wie schon früher von den Grünen: Florian Roth, Münchner Vorsitzender, wünscht sich, "dass die Steine an die Orte ihrer Bestimmung kommen werden". Die Veranstaltung in der Musikhochschule sei ein Appell an Politik und Bürgerschaft, die Diskussion über die Formen des Erinnerns offen zu halten und eventuell Entscheidungen revidieren zu können.

Der Künstler Gunter Demnig soll übrigens im Oktober vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden. Vielleicht wird diese Anerkennung von ganz oben Bewegung in die Sache bringen.

SZ vom 2.09.2005 - Doris Nager

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