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Stolpersteine in München

ERSTE INSTALLATION "Führerbau"

Presse-Info zur Eröffnung
Fotos vom Verlegen
Rede von Peter Weismann
Bericht im Bayerischen Rundfunk
SZ vom 23.08.05
SZ vom 02.09.05

Süddeutsche Zeitung vom 23.08.2005

Stolpersteine im Kopfsteinpflaster

Der Künstler Peter Weismann legt die Installation bewusst
vor das Schwarze Brett der Musikhochschule

Peter Weismann liegen seine Stolpersteine offensichtlich am Herzen. Mit einem Pinsel und auf den Knien befreit er sie sanft vom Staub, der sich während der Aufbauarbeiten seiner Installation auf sie gelegt hat. Auf der linken Seite des Foyers der Musikhochschule hat er sie in einen Weg aus Kopfsteinpflaster gelegt, der über eine künstlich angelegte Kiesfläche führt. So könne er die Opfer des Naziregimes, an die die Inschriften auf den Stolpersteinen erinnern, in den öffentlichen Raum integrieren, erzählt Weismann.

Er ist Künstler und Mitglied eines Initiativkreises, der sich um alternative Erinnerungsformen bemüht wie etwa die Stolpersteine. Die sind in München schon länger Thema. Vor rund einem Jahr hatte der Stadtrat die Verlegung der Stolpersteine genannten Gedenktafeln auf öffentlichem Grund untersagt.

Die Idee hinter den metallenen Blöcken, die wie Pflastersteine aussehen, ist ursprünglich, vor Ort zu erinnern. Dazu werden in die Steine Name, Geburtsdatum sowie Tag und Ort der Ermordung je eines Opfers geprägt. Dann war geplant, sie auf der Straße vor den ehemaligen Wohnhäusern zu verlegen. In München hat sich der Stadtrat allerdings dagegen entschieden. Die Namen der Opfer würden auf der Straße achtlos mit Füßen getreten, so die Begründung.

An dem Platz, wo die Steine jetzt liegen, werden sie wohl nicht übersehen werden. Zu sehr stechen sie mit ihrer glänzenden Oberfläche aus dem künstlichen Weg heraus. Sicher vor fremden Füßen sind sie dort allerdings nicht. Die Installation liegt vor einem wichtigen Aushang der Musikhochschule. Eine bewusste Wahl von Weismann, denn er will die Steine in das Leben der Studenten einbinden, die Erinnerungsarbeit so aus dem falschen Pathos der Gedenkstätte herausholen, ein AhaGefühl, ein Erstaunen über die Steine erzeugen. Hinter den Steinen hängen Bilder der Wohnhäuser der Opfer als Ersatz für die Orte, an denen sie eigentlich liegen sollten. Der Platz, den sie jetzt gefunden haben, ist allerdings auch nicht ohne geschichtlichen Bezug. Der so genannte Führerbau gehört zu den Ausgangsorten des Naziterrors.

Zusätzlich zu der offiziell am 31. August startenden und ein Jahr lang dauernden Installation sollen etwa einmal im Monat Veranstaltungen stattfinden. Deren Bandbreite soll von Konzerten bis hin zu Installationen im Straßenraum reichen. So will Weismann selbst unter dem Titel „drei Linien" einen Beitrag leisten. Dafür wird der Weg aus Kopfsteinpflaster in den Garten und bis zum Amerikahaus verlängert. Die zweite Linie ist ein um die Ecke der Musikhochschule laufendes Band aus Leuchtdioden, auf dem die Namen und Adressen der Opfer gezeigt werden sollen.

Die dritte Linie besteht aus Klang. Dazu sollen an der Ecke Brienner/Arcisstraße, am Sockel des Ehrentempels, Lautsprecher mit Bewegungsmeldern aufgestellt werden. Werden sie ausgelöst, spielen sie eine Stimme ab, die in lakonischem Tonfall aus den Todeslisten von Auschwitz vorliest. Das sei für ihn eine besondere Dimension der Vernichtung, dass in den Lagern derart nüchtern über sie Buch geführt worden sei, erklärt Weismann.

Christof Rührmair

Die Installation im Vorraum der Musikhochschule, Arcisstraße 12, wird am Mittwoch, 31. August, um 20 Uhr eröffnet. Unter anderem wird ein Zeitzeuge aus Theresienstadt über öffentliches Gedenken sprechen.

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