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Stolpersteine in München

Leserbriefe an die Süddeutsche Zeitung - vom 03.01.05

Kleines wird verhindert, Pompöses gefördert

Sensibles Thema, scharfer Ton / SZ vom 23. Dezember


Jerusalem beherbergt die weltweit bekannte Gedenkstätte für jüdischen Opfer des Nationalsozialismus: Yad Vashem. Yad Vashem bedeutet "ein Denkmal und ein Name" und bezieht sich auf ein Wort des Propheten Jesaja (56,5). Und genau dies wollen auch die Spender von Stolpersteinen: eine winzige Messing-Bodenplatte (zehn mal zehn Zentimeter) soll an die (fast) vergessenen Opfer der Nazis: Juden, politisch Verfolgte, aus religiösen Gründen Terrorisierte, Homosexuelle, Sinti, Roma, ... mit Namen und Lebensdaten erinnern.

Das Engagement der Stolperstein-Unterstützer bringt diesen keinerlei persönliche Vorteile, sondern Leute wie sie und ich spenden 95 Euro, damit ein/eine Namenlose) dem Vergessen entrissen wird. Ein winziger Ersatz für nicht vorhandene Grabstellen. Warum die Schärfe von Frau Präsidentin Knobloch ("Gedenk-Täter") und Oberbürgermeister Ude ("Inflationierung der Gedenkstätten")? Existieren doch in Hamburg, Berlin, Kohl, Frankfurt jeweils Hunderte von "Stolpersteinen" , auch in Dachau werden demnächst diese Erinnerungssteine verlegt.

Warum will München, die "Hauptstadt der Bewegung", individuelles Erinnern unterbinden? Dass Hitler monumentale Bauten schätzte, wissen wir. Offenbar werden kleine, privatfinanzierte Mahnmale in München verhindert und Pompöses mit Steuergeldern großzügig unterstützt.

Werde ich tatsächlich gezwungen - obwohl ich aus einer Münchner Familie stamme und an Münchner Nazi-Opfer erinnern will - Stolpersteine in anderen Gemeinden zu unterstützen? Es gibt schlimmeres als "GedenkTäter" zu sein.

Angela Nußbaum (SPD-Mitglied), München

Frau Knobloch und Herr Ude sind zweifellos integre Persönlichkeiten, die das Beste für Kommune und Bürger anstreben. Gestehen wir ihnen zu, dass selbst sie irren können. Und sehen wir mal, wie lang sie brauchen, um einsichtig zu werden. Ich wünsche den Initiatoren der Stolpersteine in München Kraft, Zuversicht, unkonventionelles und kreati-ves Agieren, und viele weitere Gleichgesinnte. Die Erlösung heißt Erinnerung - auch in der Form der Stolpersteine.

Gerd Bergmann

Chanukka, Fest der Freude und des Friedens! Am Jakobsplatz ist das achte Licht des Chanukka-Leuchters entzündet worden, und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) hat zu diesem Anlass eine Rede gehalten. Warum Frau Knobloch ihre Rede dazu benutzte, in einigen Passagen Feindschaft säen zu wollen, ist unbegreiflich und für uns nicht nachvollziehbar. Auch wir sind Verfechter der Aufhebung des unsäglichen Verbots, "Stolpersteine" in unserer Heimatstadt München verlegen zu lassen. Uns und viele, viele Freunde des Judentums mit dem Wort "Gedenktäter" zu diffamieren und zu kriminalisieren, empfinden wir als schlichtweg bösartig. Warum, Frau Knobloch, verprellen Sie Menschen in dieser Weise?

Ernst und Werner Grube, ehemalige "Geltungsjuden" und Überlebende von Theresienstadt, München

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