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Stolpersteine in München

Münstersche Zeitung vom 03.12.04

Verfolgter Zigeuner separat gedenken

Gedenken an nicht-jüdische Opfer


Münster - Das Mahnmahl für die im Dritten Reich ermordeten Juden Europas ist beschlossene Sache, im Jahre 2006 soll es eingeweiht werden. Wie aber steht es mit dem Gedenken an nicht-jüdische Opfer"

Unter dem Titel "Die nationalsozialistische Verfolgung der Juden und Zigeuner im Vergleich" erläuterte am Mittwochabend Dr. Michael Zimmermann in der Villa ten Hompel die Debatte um das geplante Mahnmal für die getöteten Sinti und Roma. "Es gibt eine feste Zusage aus der Politik", so der Privatdozent der Ruhr-Universität. "Es gibt einen Standort, es gibt einen Entwurf des Künstlers Dani Karavan für ein Erinnerungszeichen. Aber die Realisierung ist ins Stocken geraten. Die Formulierung der Inschrift ist umstritten."

So bestehe der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma auf einen Auszug aus einer Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, in dem der Mord an den Zigeunern mit dem an den Juden verglichen wird " er sei aus dem gleichen Motiv des Rassenwahns und mit dem gleichen Vorsatz zur planmäßigen Vernichtung durchgeführt worden.

"Diese Formulierung ist aus wissenschaftlicher Sicht problematisch", meinte Zimmermann. Trotz unbestreitbarer Gemeinsamkeiten der beiden Massenverbrechen wie die mentale Strategie zur Leugnung bzw. Legitimation gebe es Unterschiede. So habe die Feindschaft gegenüber "Zigeunern" in Nazi-Deutschland im Vergleich zum Antisemitismus eine weniger zentrale Rolle gespielt. Die der Gestapo zugeordnete Verfolgung der Juden reflektiere, wie stark in der nationalsozialistischen Rassenpolitik das "Weltjudentum" als Bedrohung angesehen wurde. Der Vernichtungswillen gegenüber Zigeunern, für die die Kriminalpolizei zuständig war, sei nicht so radikal und total gewesen. Auch seien "Zigeuner"' nicht als religiöse Konkurrenten angesehen worden, ein Jude dagegen in christlicher Sicht als das neidisch betrachtete Inbild des von Gott Auserwählten.

"Im Deutschen Reich und im von 1938 bis 1945 deutsch besetzten Europa sind 50000 Zigeuner ermordet und 2500 zwangssterilisiert worden", so Zimmermann. Es gebe aber eine historisch nachweisbare Differenz zwischen der Verfolgung von Juden und "Zigeunern". Er sei daher nicht gegen ein Mahnmal für Sinti und Roma.

Aber es sei nicht notwendig, das Verbrechen an den beiden Volksgruppen gleichzusetzen. "Das Schicksal der Zigeuner ist es wert, als solches bedacht zu werden. Auch und vor allem dann, wenn die Juden noch extremerer Verfolgung ausgesetzt waren. Denn wo kämen wir hin, wenn wir uns nur noch mit jenen Menschheitsverbrechen auseinandersetzten wollten, die die Dimension der Shoa erreichen"" - KUT

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