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Stolpersteine in München

Deutschlandfunk, 21.8.2004

Umstrittene Stolpersteine

Podiumsdiskussion um Sinn und Unsinn der Gedenktafeln


Seit dem ablehnenden Votum des Stadtrats im Juni diesen Jahres sind die Stolpersteine in München kein Thema mehr - zumindest nicht auf der offiziellen politischen Tagesordnung. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass sie die im Boden verlegten Gedenktafeln vor Häusern, aus denen Menschen von Nazis deportiert wurden, ablehnt. Mit der Entscheidung des Stadtrats, die bereits verlegten Steine zu entfernen, schien das Thema vom Tisch. Die Unterstützer der Stolpersteine wollen nun die Diskussion um die Gedenk-Tafeln auf breiterer Basis erneut führen.

Bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstag, 11. November, sollen die Münchner ihre Meinung zu der von Gunter Demnig gewählten Form des Erinnerns einbringen. Ausgehend von seiner Heimatstadt Köln hat der Künstler mittlerweile in nahezu allen deutschen Großstädten mehr als 3500 Stolpersteine unter dem Motto „Hier wohnte" verlegt. In die Tafeln sind Name, Geburts- und Todestag von NS-Opfern eingraviert. Die über Paten finanzierten Platten werden vor dem Haus, aus denen Juden oder Sozialdemokraten, Sinti, Roma oder Homosexuelle deportiert wurden, im Bürgersteig-Pflaster verlegt. In München hatten sich Schüler des Luisengymnasiums für die Verlegung von zwei Steinen für das jüdische Ehepaar Fritz und Paula Jordan eingesetzt. Da dafür eine Genehmigung fehlte, wurden die Stolpersteine wieder entfernt. Peter Jordan, der als Kind nach England emigrierte Sohn der Ermordeten, hatte sich entsetzt über das Vorgehen der Stadt geäußert.

An der Debatte (Moderation: Reiner Bernstein) nehmen Marie-Luise Schultze-Jahn, Angehörige der „Weißen Rose", und Autor Tilman Spengler teil. Mit auf dem Podium: Hans Dieter Strack, Stadtdekan i.R., und AI Koppel aus Colorado, der durch den Nazi-Terror seine Familie verlor und sich Stolpersteine in der Maximilianstraße wünscht. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Spanischen Kulturinstitut, Marstallplatz 7.

Anne Goebel – SZ am 9.11.2004

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