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Stolpersteine in München

Süddeutsche Zeitung vom 30.07.2004

Bürgerentscheid für die Stolpersteine?

Stadtrat Offman schlägt bei einer SPD-Diskussion den "demokratischen Weg" vor

Marian Offman hat der Initiative, die sich für die Stolpersteine einsetzt, ein Bürgerbegehren anempfohlen. "Der demokratische Weg wäre, einen Bürgerentscheid anzugehen", sagte der CSU-Stadtrat, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde und erklärte Gegner der Aktion am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion des SPD-Ortsvereins Schwabing/Alte Heide. Zwar erklärte Offman gestern, er habe das eher ironisch gemeint und räume einem Bürgerbegehren ohnehin wenig Chancen ein, der Vorschlag allerdings hat seine Wirkung nicht verfehlt. Nachdrücklich wiesen ihn Wolfram Kastner und Reiner Bernstein von der Initiative zurück. "Ich halte nichts davon", sagte Bernstein der SZ. "Das würde uns völlig überfordern."

Zum einen handle es sich bei der Initiative nur um einen lockeren Kreis und keine verfasste Organisation, zum anderen fehle das Geld, um über einen längeren Zeitraum Stimmen zu sammeln. "Die administrativen Hürden

sind für uns zu hoch", sagte Bernstein. Es gehe jetzt darum, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. "Wir müssen versuchen, neu zu diskutieren, und das in möglichst vielen Gremien: in Bürgerversammlungen, Bezirksausschüssen, Kirchengemeinden und in Hausgemeinschaften". Nur so könne man den "massiven öffentlichen Druck" erzeugen, der nötig sei, um die Stadträte noch einmal umzustimmen.

Nach dem Stadtratsbeschluss gegen eine Verlegung der Stolpersteine und nach einer Anzeige in der SZ, in der sich 150 Münchner gegen diesen Beschluss wandten, hat die Initiative viele Unterstützer gefunden. Es gebe bereits mehr als 500 Patenschaften für Stolpersteine, sagte Bernstein. "Und ich bin mir sicher, dass wir auch die Zahl 4500 erreichen werden" - so viele Münchner Juden wurden Opfer des Holocaust. Bei einer Informationsveranstaltung am Montag im Luisengymnasium schlug Bernstein vor, die von dem Künstler Gunter Demnig

fertiggestellten Gedenksteine vorerst in einem öffentlich zugänglichen Raum zu lagern.

Am Mittwoch war Marian Offman der einzige Stadtrat, der sich einer Diskussion mit den Stolpersteine-Befürwortern stellte. Dabei legte er noch einmal dar, warum er die Stolpersteine nicht für die "richtige Form des Gedenkens" hält. "Einen Stein in den Boden zu zementieren auf die Gefahr hin, dass dann ein Neonazi den Schmutz seiner Springerstiefel dort abstreift, das ist für mich ein unerträglicher Gedanke." Er habe eine "ganz tiefe innere Abwehr" dagegen - unter anderem auch deshalb, weil es eine Auswahl geben müsse: "Für denjenigen, dessen Angehörige am lautesten schreien, gibt es dann einen Stein, diejenigen, die niemanden haben, werden keinen bekommen. " Er plädierte für eine große Gedenktafel am Jakobsplatz, "in die wirklich alle 4500 Namen jüdischer Opfer eingemeißelt sind".

Markus Zehentbauer

Süddeutsche Zeitung vom 30.07.04

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