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Stolpersteine in München

AZ vom 02.07.2004

Eine Deutsche Tradition ?...

OB Christian Ude schreibt einen Brief und verärgert die Münchner Befürworter der Stolpersteine

Irritiert haben Münchner Künstler und Autoren auf einen Brief reagiert, den sie am Mittwoch von Oberbürgermeister Christian Ude erhielten. Die Adressaten sind allesamt Unterzeichner einer Zeitungsanzeige für die vom Stadtrat abgelehnten Stolpersteine des Kölners Gunter Demnig. Dieser hat in mehreren deutschen Großstädten insgesamt 3500 kleine Gedenktafeln im Bürgersteig vor Häusern verlegt, aus denen im Dritten Reich Juden deportiert worden waren - auch in München. Auf Initiative der 11. Klasse des städtischen Luisengymnasiums waren in der Mauerkircherstraße 13 Erinnerungsmale für das Ehepaar Paula und Siegfried Jordan ins Pflaster gesetzt, aber unmittelbar nach dem negativen Beschluß des Stadtrats wieder entfernt worden.

Ein Vorgang, über den sich in einer Annonce über hundert Kulturschaffende empörten. Damit scheint die Auseinandersetzung erst begonnen zu haben: "Die Mitglieder des Münchner Stadtrates haben noch nie erlebt, dass ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum mit einer derartigen moralischen Abkanzelung aller Bedenken, Einwände und Gegenstimmen gegen den Willen der zuständigen Gremien durchgesetzt werden soll", schreibt nun OB Christian Ude, listet im folgenden die durchgeführten Projekte zur Erinnerungsarbeit der Stadt auf und zeigt sich angesichts der Ankündigung, dennoch weitere Stolpersteine in München zu verlegen, "betroffen" - vor allem "angesichts der sehr deutschen Tradition, gewählte demokratische Institutionen verächtlich zu machen und statt dessen die Fakten setzende Tat zu preisen".

Ein Vorwurf, den die Befürworter der Stolpersteine so nicht hinnehmen. "Ich war sehr überrascht, dass der Oberbürgermeister mir mein Demokratieverständnis abspricht", äußert sich Schriftsteller Friedrich Ani. "Eine andere Meinung öffentlich zu vertreten, halte ich für vollkommen legitim." Kollege Tilman Spengler antwortet ironisch: "Wenn Ude sich selbst parodiert, ist er am besten." Die Münchner Stolpersteine jedenfalls werden auch unverlegt noch etliche Debatten initiieren.

Volker Isfort

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