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Stolpersteine in München

Süddeutsche Zeitung vom 29.06.2004

Landeshauptstadt
München

Die Stadt informiert

Verantwortlich: Stefan Hauf, Presse- und Informationsamt, Rathaus, Telefon 233-9 26 00
Redaktion: Stephanie Hoefer; Internet: http://www.muenchen.de/rathaus                                 Dienstag, 29. Juni 2004

Die Stadt stellt sich ihrer historischen Verantwortung .

Würdige Formen des Gedenkens

Der Bau des Jüdischen Zentrums am Jakobsplatz macht deutlich, was der Münchner Stadtrat einmütig anstrebt: Die Jüdinnen und Juden Münchens sollen im Herzen der Stadt eine Heimat haben und die Stadt wird sich im Zentrum mit Geschichte, Gegenwart und Zukunftsperspektiven des Judentums befassen.

Gerade in den letzten Jahren hat der Münchner Stadtrat, wie zu keiner Zeit zuvor, das Gedenken für die Opfer des Holocaust in den Vordergrund gestellt, um endlich der historischen Verantwortung als ehemalige Hauptstadt der Bewegung gerecht zu werden.

Deshalb wird jetzt im Alten Rathaus an den Beginn und die Opfer der Reichspogromnacht erinnert,

deshalb wird im Neuen Rathaus die Scham der Bürgerschaft über die Deportation der Münchner Juden nach Kaunas zum Ausdruck gebracht,

deshalb hat die Stadt mit den Memo-Buch sämtlichen Opfern des Holocaust in München ein eindrucksvolles und bewegendes Denkmal gesetzt,

deshalb findet im Stadtmuseum in einer Dauerausstellung die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischer Vergangenheit statt,

deshalb werden Jüdisches Zentrum und Jüdisches Museum auch Orte des Gedenkens sein.

Oberbürgermeister Christian Ude: "Groteskerweise ist der Münchner Stadtrat aber gerade in diesen Tagen einerfeindseligen Kampagne ausgesetzt, die alleTatsachen auf den Kopf stellt und ihm mangelnde Bereitschaft zum Gedenken an die Opfer vorwirft.

Lassen Sie mich ganz deutlich sagen:
• Wir wollen der Holocaust-Opfer im Herzen der Stadt gedenken und nicht im Straßenschmutz.
• Wir wollen nicht, dass Gedenktafeln im Alltag mit Füßen getreten werden.
• Wir wollen sämtlicher Opfer gedenken und nicht einiger weniger.
• Wir meinen, dass gerade das Gedenken an die Opfer nationalsozialistischer Gewaltverbrechen im demokratischen Konsens stattfinden soll.
• Wir meinen, dass das Gedenken im öffentlichen Raum niemanden von den Betroffenen in seinen Gefühlen verletzen darf.

Eine Form des Gedenkens,
& die das Publikum über die Gedenktafeln hinweggehen lässt,
• die von Tausenden Opfern nur einige Dutzend oder bestenfalls einige Hundert herausgreift,
• die von der demokratisch gewählten Vertretung der Jüdinnen und Juden in München als herabsetzend empfunden und abgelehnt wird und
• die dem Stadtrat gegen seine Überzeugung aufgezwungen werden soll,
erfüllt alle Voraussetzungen eines würdigen Gedenkens in keiner Weise.

Stadtrat lehnt Projekt "Stolpersteine" ab

Mit überwältigender Mehrheit - darunter alle Stimmen der Fraktionen von SPD, CSU und FDP sowie aller drei Bürgermeister - hat der Stadtrat am 16. Juni die Entscheidung des Ältestenrates bestätigt, das Projekt "Stolpersteine" in München nicht zu realisieren und keinen öffentlichen Straßengrund dafür zur Verfügung zu stellen.

Der Stadtrat hatte sich bereits intensiv mit dem Projekt "Stolpersteine" beschäftigt, u. a. im Kulturausschuss vom '27. Mai und wiederholt im Ältestenrat. Der Ältestenrat hat einmütig vereinbart, das Projekt "Stolpersteine" in München : nicht zu realisieren und keinen öffentlichen Straßengrund zur Verfügung zu stellen. Am 25. Mai wurden dennoch - ohne die erforderliche städtische Genehmigung - "Stolpersteine" verlegt.

Mit Schreiben vom 8. Juni hat die Israelitische Kultusgemeinde für München und Oberbayern die Landeshauptstadt von dem einstimmigen Beschluss ihres Vorstandes informiert, "die Entscheidung des Ältestenrates der Landeshauptstadt München in vollem Umfang zu billigen".

Mit Antrag Nr. 1690 haben die Stadtratsmitglieder Marian Offman und Richard Quaas eine Entscheidung des Stadtrats über die Zulässigkeit der "Stolpersteine" im öffentlichen Raum beantragt.

Der Stadtrat bekräftigt die Entscheidung des Ältestenrates, die am 14. Juni von den antragstellenden Fraktionen und Gruppierungen nochmals bestätigt wurde,

• weil die Anbringung von Gedenktafeln "im Straßenschmutz" trotz guten Willens der Initiatoren auch als herabsetzend empfunden werden kann und auch tatsächlich von vielen so empfunden wird;

• weil die Israelitische Kultusgemeinde als demokratisch legitimierte Repräsentantin der Jüdinnen und Juden in München diese Form des Gedenkens ablehnt;

• weil eine geringe Zahl von "Stolpersteinen" das Ausmaß des nationalsozialistischen Verbrechens mit über 4.500 Opfern allein in München eher verharmlosen und verniedlichen würde;

• weil eine Auswahl von Opfern unlösbare Fragen der Auswahlkriterien aufwerfen muss;

• weil trotz der unbestrittenen Bedeutung von Gedenktafeln für die Angehörigen der Opfer der alltägliche Gebrauch der Bürgersteige eher die Vernachlässigung des Themas dokumentieren als Nachdenklichkeit und Trauerarbeit auslösen würde;

• weil die Assoziation zu dem antisemitischen Ausspruch, wo man stolpere, müsse ein Jude begraben sein, unbedingt vermieden werden sollte;

• weil die Landeshauptstadt München wesentlich besser geeignete Formen des Gedenkens realisiert hat, etwa die Gedenkstätten für die Opfer der Reichspogromnacht und die deportierten und ermordeten Münchner Juden sowie die Dauerausstellung im Stadtmuseum und vor allem das Erinnerungsbuch des Stadtmuseums mit Portraits und biographischen Daten sämtlicher Münchner Holocaust-Opfer. Dieses Gedenkbuch soll verstärkt an den Schulen eingesetzt und nach Möglichkeit auch im Internet zugänglich gemacht werden. Auch das Jüdische Zentrum und das Jüdische Museum werden Orte des Gedenkens sein. Außerdem hat der Stadtrat die Schaffung eines NS-Dokumentationszentrums beschlossen, das gemeinsam mit dem Freistaat realisiert werden soll.

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