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Stolpersteine in München

SZ vom 21.06.2004

Jüdische Stimme für die "Stolpersteine"

Würzburg/München - Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Josef Schuster, hat die Aktion "Stolpersteine" zur Erinnerung an Opfer der NS-Diktatur ausdrücklich begrüßt. Er teile die Sorge nicht, dass mit den im Bürgersteig eingelassenen Gedenktafeln das Andenken an deportierte Juden mit Füßen getreten werden könne, sagte Schuster. Die Aktion sei "eine Möglichkeit, die Erinnerung auf sehr plastische Weise wach zu halten".

In mehr als 40 Städten hat der Kölner Bildhauer Gunter Demnig auf Bürgersteige so genannte Stolpersteine mit Namen ehemaliger jüdischer Bewohner verlegt. In München wurden in der vergangenen Woche nach einem Stadtratsbeschluss zwei bereits eingelassene Gedenksteine entfernt und zum jüdischen Friedhof gebracht. Die Israelitische Kultusgemeinde in der Landeshauptstadt begrüßte die Entscheidung, keine "Stolpersteine" zur Erinnerung an die Opfer der NS-Diktatur zuzulassen. Die Aktion sei nicht der richtige Weg, sie habe zu viele Negativ-Aspekte, hieß es. Der Landesvorsitzende Schuster betonte dagegen, dies sei eine jedenfalls sehr auffällige Möglichkeit des Gedenkens. Menschen, vor allem Jugendliche, würden so auf das Thema aufmerksam gemacht.

Der Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau zeigte sich bestürzt über die Münchner Entscheidung. "Wir wissen aus unserer Arbeit, zum Beispiel am Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau, wie wichtig ein persönlicher Zugang zur Geschichte, zum Erinnern für junge Menschen ist", teilte der Verein am Sonntag mit. Es bleibe zu hoffen, dass andere bayerische Städte ihren Bürgern diese Form der Erinnerung nicht verwehrten.

In Bayern sind die kleinen messingfarbenen Betonwürfel unter anderem schon in Kitzingen und Nürnberg zu finden. Dort hat das Projekt nach Angaben beider Kommunen ohne größere Diskussion Zustimmung gefunden. Dies biete eine Möglichkeit der Trauer und des Gedenkens, sagte Kitzingens Oberbürgermeister Bernd Moser. In einem Schreiben an die Einwohner hatte Moser klargestellt, dass es hierbei nicht um Schuldzuweisungen gehe. Auch Schuster erklärte, es gehe nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, der beispielsweise in einem ehemals jüdischen Anwesen wohnt. "Es geht darum, Geschichte lebendig zu halten, um aus ihr zu lernen."

dpa

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