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Stolpersteine in München

Süddeutsche Zeitung vom 27.05.2004

Grüne verteidigen die Stolpersteine

Wird das Projekt "Stolpersteine" doch auch in München realisiert? Die Stadtverwaltung hat die am Dienstag ohne behördliche Erlaubnis verlegten Steine bisher nicht entfernen lassen. Und im Rathaus will man sich nach Auskunft von Pressesprecher Andreas Danassy auch Zeit lassen mit der Entscheidung darüber, was mit den messingfarbenen Platten geschehen soll, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. "Man wird das sorgfältig und in aller Ruhe prüfen", sagt Danassy. Wie berichtet, hat der Künstler Gunter Demnig vorgestern zwei Steine vor der Mauerkircherstraße 13 verlegt, die als Teil seines deutschlandweit erfolgreichen Erinnerungs-Projekts an das Schicksal des deportierten und ermordeten jüdischen Ehepaars Paula und Fritz Jordan gemahnen sollen. Die Stadt lehnt Demnigs Konzept ab, die Verlegung fand ohne Genehmigung statt. Peter Jordan, Sohn des Ehepaars, war aus England angereist. Er sei "stolz, dass für meine Eltern die ersten Münchner Stolpersteine verlegt werden", sagte Jordan.

Ob es weitere Steine in München geben wird, ist also offen. Die Grünen haben ihre Unterstützung bekräftigt. Ihr Vorsitzender Florian Roth sagte: "Hoffentlich stellt diese Verlegung für München einen Denkanstoß dar und veranlassen die Stadt zum Umdenken." Als bewegend bezeichnete Roth die Reaktion Peter Jordans und das Engagement der Schülerinnen, die sich für die Steine stark gemacht haben. OB Christian Udes Argument, diese Art des Gedenkens werde "von den Betroffenen als abscheulich, entsetzlich und unerträglich empfunden" , sei durch die positive Reaktion vieler jüdischer Bürger nicht gedeckt.

Roth sagte, er sei überzeugt, Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelitischen Kultus-gemeinde, habe ihre persönlichen Vorbehalte gegen das Projekt "ausdrücklich nicht als offizielle Position der Kultusgemeinde formuliert". Er selbst habe eine Patenschaft für einen Stein übernommen und wünsche sich für München ein "dichtes Netz der steinernen Gedenkmarken".

Anne Goebel

Süddeutsche Zeitung vom 27.05.2004

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