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Stolpersteine in München

Münchner Merkur vom 27.05.2004

München Stadt

Stadt stolpert über Gedenksteine

Gunter Demnig verlegt in Bogenhausen die ersten Messingplatten

Mit Empörung hat Yehoshua Chmiel auf die ersten "Stolpersteine" in München reagiert. "Das ist eine gezielte Provokation", sagte der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde in München. Gegen den Willen der Stadt hat der Kölner Künstler Gunter Demnig am Dienstag auf dem öffentlichen Gehweg an der Mauerkircher Straße 13 zwei Gedenksteine aus Messing verlegt. Diese in den Gehsteig eingelassenen Platten sollen an Menschen erinnern, die Opfer der Nationalsozialisten wurden.

In ganz Deutschland gibt es mittlerweile solche Stolpersteine, in München hat der Ältestenrat im vergangenen Sommer seine Zustimmung versagt. Bei dieser Haltung bleibt die Stadt. Nach Bekanntwerden der Aktion ließ OB Christian Ude wissen: "Die Verlegung ist von der Stadt nicht gebilligt worden. Es wird derzeit geprüft, welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollen."

"Hier wohnte Paula Jordan, geb. Frank, Jg. 1889. Deportiert 1941. In Kaunas ermordet 25.11.1941." Und: "Hier wohnte Siegfried Fritz Jordan, Jg. 1889. Deportiert 1941. In Kaunas ermordet 25.11.1941." So lautet der Text auf den ersten beiden Münchner Stolpersteinen. Verlegt wurden sie auf Bitten von Peter Jordan, dem Sohn der Ermordeten. Peter Jordan selbst gelang 1939 die Emigration nach London, heute lebt er in Manchester.

Dass es der Wunsch eines einzelnen Hinterbliebenen ist, Stolpersteine zu verlegen, lässt Chmiel nicht gelten. Er hält es "grundsätzlich für schlechten Stil, dass hier einfach Tatsachen geschaffen wurden".

Der Künstler selbst sieht kein Unrecht in der Aktion. "Für mich ist es entscheidend, ob der Hinterbliebene das Erinnern in dieser Form wünscht" Demnig betont, er habe nicht provozieren, sondern einen "erneuten Denkanstoß" geben wollen.

Finanziert werden die Stolpersteine durch Patenschaften. Im Falle der Jordans hat sich eine Schulklasse des Luisengymnasiums zusammen mit ihrem Lehrer Wunibald Heigl engagiert.

Stolpersteine ist erreichbar unter stolpersteine.muenchen@gmx.com oder auf dem Postweg: Stolpersteine, Postfach 260 203, 80059 München.

STEPHANIE HOLZMEIER

Münchner Merkur vom 27.05.2004

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