Stolpersteine    

          Aktuell          

   Engagement     

        Chronik         

          Archiv          

             Foto           

        Kontakt          

Der Währinger Jüdische Friedhof in Wien: Ein Ort der Erinnerung?

Zeitgeschichtliche Erinnerungsarbeit muß nationale Grenzenüberschreiten

Jüdische Friedhöfe im Spannungsfeld zwischen Kultstätte, Erinnerungsort und Denkmalpflege.

Posterausstellung in der BayerischenStaatsbibliothek
(Marmorsaal / Eingang Lesesaal)

vom 16. März bis 19. April 2009.

Eröffnung am Montag, 16. März 2009, 12.00 Uhr

Informationsgespräch mit

Prof. Dr.Claudia Theune (Universität Wien)

Prof.Dr. Eva Haverkamp (LMU)

KlausBäumler

Die Posterdokumentation zumWähringer Jüdischen Friedhof in Wien wurde im Rahmen eines interdisziplinärenSeminars an der Universität Wien (Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät)erarbeitet.


Der Jüdische Friedhof in Währing,einem Stadtbezirk von Wien, ist ein wichtiges Zeugnis der Wiener Kultur-, Kunst-, Wirtschafts- und Sozialge-schichte, aber auch der GeschichteÖsterreichs und Mitteleuropas.

Die Dokumentation über den WähringerJüdischen Friedhof ist eine grundlegende wissenschaftliche Arbeit, mit der diegroße kulturelle Aufgabe der Erhaltung Jüdischer Friedhöfe beispielhaftaufgezeigt und der administrativ-politische Handlungsbedarf überzeugend belegtwird.

Derbesondere zeitgeschichtliche Bezug zwischen der Dokumentation �WähringerFriedhof� und München wird durch die �ForschungsabteilungJudenfrage� hergestellt, die in den Jahren 1936-1942 ihren Sitz inunmittelbarer Nachbarschaft der Bayerischen Staatsbibliothek hatte.

Hier wurde im Juli 1942 ein besonders paradox-makabres �Forschungsprojekt� entwickelt, nämlich die "Sicherstellung des historischen und anthropologischen Materials der Judenfriedhöfe inDeutschland".

Die im August 1942 im WähringerFriedhof vom Naturhistorischen Museum Wien durchgeführten Exhumierungen stehenim unmittelbaren Zusammenhang mit dem "Forschungsprojekt", das inder Ludwigstraße 22 b, dem Sitz der "Forschungsabteilung Judenfrage" des "Reichsinstituts für die Geschichte des neuenDeutschlands", initiiert worden war.

Personelle Verflechtungen der "Forschungsabteilung Judenfrage� bestanden zur BayerischenStaatsbibliothek, zur Ludwig-Maximilians-Universität und zur BayerischenAkademie der Wissenschaften. Der große Einfluß der ^"Forschungsabteilung"auf die NS-Rassenforschung und den NS-Antisemitismus wurde erst in jüngsterZeit erkannt.

Für die �ForschungsabteilungJudenfrage� sollte die größteAntisemitica-Bibliothek Europas aufgebaut werden. In den Jahren 1940� 1943 wuchs der Bestand von 20.000 auf 37.000 Bände an. Daß sichdarunter beträchtliche �Raubgut-Bestände� befanden, kann als sicherangenommen werden.

Ob ein unmittelbarer Bezug zu denRaubzügen des �EinsatzstabsReichsleiter Rosenberg� bestand, muß derzeit noch als offenbetrachtet werden. Tatsache ist aber, daß der Einsatzstab Rosenberg primär die Aufgabe hatte, jüdische Archive undBibliotheken in den besetzten Gebieten im Osten und Westen zu plündern.

Die Raubzüge desEinsatzstabs wurden durch die NSDAP und damit von München aus finanziert. NSDAP-Reichsschatzmeister FranzXaver Schwarz, mit Sitz im sog.Verwaltungsbau an der damaligen Arcisstraße, bewilligte die von Rosenberghierfür beantragten Gelder.

Neben diesenzeitgeschichtlichen Aspekten gibt es eine Reihe weiterer aktueller Bezüge:

* Internationale Konferenz �Judentum, Christentum und Islam: Austausch und Konflikte� vom 16. bis 18. März 2009, veranstaltet von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der LMU und dem Historischen Kolleg.

* Schaffung eines Internet-Portals �Porta Hebraicorum� zur digitalen Erschließung der Hebraica-Sammlung der Bayerischen Staats-bibliothek . Der einzigartige Bestand von Weltrang umfaßt etwa 2.700 Büchern und Handschriften und hat die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt überstanden. Die Anfänge der Sammlung gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück.

* Neuer Lehrstuhl für Mittelalterliche Jüdische Geschichte an der LMU

Frau Prof. EvaHaverkamp hat seit 1. Januar 2009 den neu geschaffenen Lehrstuhl für Mittelalterliche Jüdische Geschichte inne.

Frau Prof. ClaudiaTheune (Universität Wien) und Frau Prof. Eva Haverkamp (LMU)

nehmen am Informationsgespräch zur Eröffnung der Posterausstellung
am Montag, 16. März2009, 12.00 Uhr in der Bayerischen Staatsbibliothek, Marmorsaal, (EingangLesesaal), teil.

Die Posterausstellung ist während der Öffnungszeiten des Lesesaals, montags bis sonntags von 8.00 � 24.00Uhr, zu besichtigen.

Kontakt:

Klaus Bäumler, Kaulbachstraße 12,80539 München, Tel. 089 / 28 00 586, e-mail: baeumler@maxvorstadt.net

Archiv

Auswahl
 Presse
 Dokumente
Stolpersteine in München