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Stolperstein - Dokumentarfilm

Unter großer Anteilnahme zeigte die „Initiative Stolpersteine für München e.V.“ am 6. November 2008 im „Theatiner“-Filmkino am Odeonsplatz den Dokumentarfilm „Stolperstein“ von Dörte Franke. Die „Süddeutsche Zeitung“, die „Abendzeitung“, der „Münchner Merkur“ und die „tz“ berichteten über die Veranstaltung.

Im Beisein der Regisseurin und von Peter Jordan (heute Manchester) sprach nach der Begrüßung durch Reiner Bernstein, dem Vereinsvorsitzenden, Dr. Florian Roth, ehrenamtlicher Stadtrat der Landeshauptstadt München, ein Grußwort.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe hier als Mitglied des Münchner Stadtrats die Ehre, anlässlich der Premiere des Films „Stolperstein“ ein paar Worte zu sprechen. Der Münchner Stadtrat hat – zu meinem großen Bedauern – am 16. Juni 2004 mit großer Mehrheit beschlossen, dem „Projekt Stolpersteine [...] keinen öffentlichen Straßengrund [...] zur Verfügung zu stellen“. Meine Fraktion, Die GRÜNEN/rosa liste, hat als einzige Fraktion diesen Antrag nicht mitgetragen. (Die traurige Konsequenz des Beschlusses war, dass die für die Familie Jordan schon verlegten Steine wieder herausgerissen wurden.)

Manchen argumentierten, mit diesen am Bürgerstein verlegten Gedenkplatten würde das Andenken im ganz wörtlichen Sinne „mit Füßen getreten“. Für mich jedoch wird hier die Möglichkeit gegeben, dass irritiert „stolpernde“ Passanten sich nachdenklich vor den individuellen Schicksalen verneigen.

Ich und mit mir die GRÜNEN, deren Vorsitzender ich 2001 bis 2007 war, haben das Projekt STOLPERSTEINE und den Münchner Initiativkreis immer unterstützt.

Die Idee von Günter Demnig hat mich immer schon beeindruckt. Denn:

1. Erinnerung lebt von Nähe und Individualität. Den konkreten Opfern an den konkreten Orten, an denen sie lebten zu gedenken, hat eine besondere Kraft, die nicht durch zentrale, oft anonyme Erinnerungsorte aufgewogen werden kann. (Bisweilen kann Familienangehörigen so auch ein Stück Heimat zurückgegeben werden.)

2. Erinnerung lebt von persönlichem, bürgerschaftlichem Engagement. Die Stolpersteine sind ein partizipatives Projekt. Eine Schulklasse etwa hat in München versucht, die Namen und Biografien von Ermordeten aus dem Stadtviertel zu recherchieren. So kann aktive Erinnerungsarbeit auch der jungen Generation in einem bürgerschaftlichen work in progress fortgesetzt werden.

Es ist wichtig, dass „von oben“, von politischer Ebene, an zentralen Orten Erinnerungsarbeit geleistet wird. Mindestens so wichtig aber ist das Engagement „von unten“ aus der Mitte der Bevölkerung – konkret und vor Ort. Dafür sind die STOLPERSTEINE ein vorbildliches Beispiel.

Eine vom Stadtrat eingesetzte Jury berät momentan gerade über „Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens“ – ich glaube, dass hier einige interessante Kunstprojekte dabei sind. Aber keines schafft es wie die STOLPERSTEINE, die Vielfalt individueller Schicksale in Erinnerung zu rufen und Bürgerpartizipation dauerhaft zu ermöglichen.

Der Stadtrat sollte noch einmal in sich gehen. Vielleicht ist auch ein Kompromiss möglich: Individuelle Prüfung von Anträgen auf STOLPERSTEIN-Verlegungen – und Genehmigungen, wenn die Familie der Opfer oder die Repräsentation der betroffenen Opfergruppe (zum Beispiel Homosexuelle) es befürwortet.

Letztes Jahr endete ein Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, in der es um die ersten STOLPERSTEIN-Verlegungen in Budapest ging, mit folgendem Satz:

„Vielleicht lenkt bald auch endlich eine der letzten Bastionen ein, die sich immer noch gegen die ‚Stolpersteine’ sperrt: Nicht Polen ist hier gemeint, sondern die Stadt München.“

Ich hoffe, diese Prophezeiung geht in Erfüllung. Ich werde versuchen, das mir Mögliche dazu beizutragen.

Danke.






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Stolpersteine in München

Dokumentarfilm Stolperstein

Einladung zur Premiere [PDF]
Grußwort von Florian Roth
ARD Film-Ausschnitt
SZ vom 6.11.08
AZ vom 7.11.08