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Reiner Bernstein: Wer waren Selma Sonder und ihre beiden Brüder?

Selma Sonder wurde am 30. Mai 1872 in Stadtlengsfeld bei Eisenach geboren. Ihre Eltern waren Isaak Sonder und Fanny geb. Hofmann. Im April 1902 zog die damals Dreißigjährige nach München und arbeitete als Verkäuferin und Geschäftsleiterin.

Seit Juni 1919 wohnte Selma Sonder im dritten Stockwerk der Zentnerstraße 21. Von hier wurde sie Anfang Juli 1939 ins Krankenhaus der Israelitischen Kultusgemeinde in der Hermann-Schmid-Straße 5-7 eingeliefert. Keine Tafel an diesem Eckhaus zwischen dem Bavariaring und der Lindwurmstraße erinnert heute an diesen Ort.

Drei Jahre später, am 5. Juni 1942, wurde Selma Sonder nach Theresienstadt deportiert und dort am 17. September 1942 ermordet.

Ihr zehn Jahre älterer Bruder Gustav ließ sich Ende 1880 in München nieder. Er war mit Wilhelmine Polster, einer Nichtjüdin, verheiratet und arbeitete als Buchhalter. Seit Juli 1937 konnte er eine Handelsvertretung für Kürschnereibedarfsartikel in der Klenzestraße 6 betreiben, wo er seit 1912 wohnte. Da Juden nach der Reichspogromnacht im November 1938 eine gewerbliche Betätigung verboten war, musste er diese Tätigkeit aufgeben. Um der Deportation zu entgegen, beging Gustav Sonder am 12. Juni 1942 Selbstmord.

Selma Sonders zweitem Bruder Leopold, der Ende Oktober 1869 geboren war, gelang im Juni 1938 die Emigration nach New York. Dort verliert sich seine Spur für uns.

Herzlichen Dank, Liebe Frau Tappeiner-Trebbin, für Ihre Anregung, dass wir heute in Ihrer Werkstatt-Galerie mit einem „Stolperstein“ der ehemaligen Nachbarin Selma Sonder gedenken können.

Wir alle wissen, dass die Stadt München ihr Verbot aufrechterhält. Danach dürfen keine „Stolpersteine“ vor jenen Häusern auf öffentlichem Grund verlegt werden, aus denen die Opfer herausgerissen, deportiert und ermordet wurden. Nicht zuletzt deshalb ist es mir ein Bedürfnis, Sie alle von Peter Jordan aus Manchester grüßen zu dürfen. Die für seine Eltern Paula und Siegfried Jordan in der Mauerkircherstraße 13 verlegten beiden Stolpersteine wurden vom Baureferat wieder entfernt. Dafür schäme ich mich, zumal da Gedenktafeln für die Opfer des Naziregimes an Häusern häufig so angebracht sind, dass die dort verzeichneten Namen und kurzen Texte kaum zu lesen sind.

Unser Gruß gilt auch unserem Freund Al Koppel in Fort Collins (Colorado). Al Koppels Mutter Karola, seine beiden Schwestern Ruth und Judis sowie die zwei Brüder Günther und Hans wurden 1941 aus der Maximilianstraße 43 deportiert und in Kaunas ermordet. Diese fünf Stolpersteine liegen mit den beiden Steinen für Paula und Siegfried Jordan nun seit mehr als zwei Jahren im Vorraum der Hochschule für Musik und Theater in der Arcisstraße.

Am 12. August wird Gunter Demnig aus Köln vier weitere Stolpersteine auf privatem Grund in der Viktor-Scheffel-Straße 14 und 16 verlegen. Der Verein „Initiative Stolpersteine für München“, der sich auf Ihrer aller Mitwirkung freut, wird sich von dem städtischen Verbot nicht beirren lassen. Das sind wir den Toten und Ermordeten schuldig.

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Stolpersteine in München