Stolpersteine    

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Dr. Michael Bärmann, 2. Stellv. Vorsitzender
des Bezirkausschusses 3 München-Maxvorstadt

Rede anlässlich der Präsentation eines STOLPERSTEINS für Selma Sonder in der Schwabinger Werkstatt-Galerie Trebbin, Zentnerstraße 3, am 16. Juli 2008

Ich kann mich heute nicht auf einen Beschluss des Bezirksausschusses stützen, der mich berechtigen würde, ausdrücklich in seinem Namen zu sprechen. Ich spreche für mich selbst, darf Ihnen aber versichern, dass ich nicht alleine mit meiner Meinung stehe.

Wie Sie wissen, verfügt der Bezirksausschuss Maxvorstadt als einziger Bezirksausschuss über eine eigene Galerie, die U-Bahn-Galerie in der Station Universität. Während der letzten Wahlperiode – ich war damals nicht Mitglied des Bezirksausschusses – wurde an den Unterausschuss Kultur, der diese Galerie betreut, der Wunsch herangetragen, eine Ausstellung von Stolpersteinen für ermordete Münchner Juden in dieser Galerie zeigen zu dürfen. Es folgte eine intensive Diskussion, infolge deren die Ausstellung erst einige Monate später gezeigt wurde –: Einige von Ihnen mögen das geradezu als eine Ablehnung empfunden haben. Es lohnt sich aber, sich noch einmal die Argumentation von damals vor Augen zu führen:

Der Sinn der Stolpersteine ist, dass sie als symbolische „Stolpersteine“ im Pflaster verlegt werden, um das Gedächtnis immer wieder wachzurufen und mit den Worten „Hier wohnte ...“ darauf zu verweisen, dass hier in unmittelbarer Nähe ein Mensch gelebt hat, der aufgrund einer schrecklichen Wahnvorstellung mit verbrecherischen Methoden aus dieser Gesellschaft „ausgemerzt“ wurde. Das Argument war folglich: Diesem Sinn entspricht es nicht, die Stolpersteine hinter Glas in einem Schaufenster auszustellen.

Ich möchte daran erinnern, dass dies die Zeit war kurz nach dem Stadtratsbeschluss von 2004, aufgrund dessen, mit einer mir bis heute unverständlichen Hast, bereits verlegte Stolpersteine wieder aus dem Pflaster gerissen wurden. Die Debatte darüber hatte noch eine große Öffentlichkeit. Und im Selbstverständnis des damaligen Unterausschusses Kultur bedeutete die kritische Erörterung einer Ausstellung zu dem damaligen Zeitpunkt nicht wirklich eine Ablehnung, sondern eine Unterstützung des Anliegens der Stolpersteine.

Leider müssen wir bis heute mit diesem Stadtratsbeschluss leben – zufrieden geben damit sollten wir uns nicht! Die Folge ist, dass tatsächlich die Stolpersteine nur an Orten gezeigt werden können, wo die Stadtverwaltung keinen Zugriff hat oder wo man nicht wirklich über sie „stolpern“ kann.

Es bleibt tatsächlich nichts anderes übrig als die geduldige Überzeugungsarbeit – bei allem Respekt vor der anderen Meinung –, dass diese Methode der Erinnerungsarbeit gerechtfertigt ist und alles andere will, als die Erinnerung an die Ermordeten „mit Füßen zu treten“. Man will Menschen, denen man nicht nur das Leben, sondern sogar die Stätte einer Beerdigung geraubt hat, wenigstens einen Ort der Erinnerung geben, der auf ihr Leben Bezug nimmt.

Von den Kritikern der Stolpersteine wird gerne ein altes antisemitisches Sprichwort angeführt: Da stolperte jemand auf der Straße, und dann kam der Spruch „Ach, da liegt sicher ein Jude begraben“. Und diesen antisemitischen Sprachgebrauch würden angeblich die Stolpersteine fortsetzen. Nein, mit diesen Stolpersteinen verhält es sich anders: Sie sollen daran erinnern, dass in unmittelbarer Nähe der Stolperstelle jemand verschleppt und anderswo ermordet wurde – und das antisemitische Sprichwort wird inhaltlich umgedreht und positiv als Aufforderung zum Gedächtnis gewendet.

Ich hoffe, wir werden in dieser Frage irgendwann doch zu einer Einheit finden. Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Durchhaltekraft und werde selbst auch bereit stehen – zum Beispiel in meiner Rolle als Vorsitzendes der Unterausschusses Kultur –, um Sie dabei gemäß meinen Möglichkeiten zu unterstützen.

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Stolpersteine in München