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Stolpersteine in München

Bundesverdienstkreuz für Gunter Demnig:

 Begründung
Foto von der Ehrung
  Empfang in München
Spiegel-Bericht
Intervention aus München

Empfang der Stolperstein-Initiative München am 4.10.2005 aus Anlass der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Gunter Demnig durch Bundespräsident Horst Köhler


Am Tage der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Gunter Demnig gab die Stolperstein-Initiative München in der Hochschule für Musik und Theater in München einen Empfang, bei dem Reiner Bernstein die Gäste begrüßte.


[ Fotos ]

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

heute ist ein Tag der Freude und des Dankes an dem Ort, an dem der Münchner Künstler und Autor Peter Weismann die Erste Station von 25 Stolpersteinen für die Deportierten und Ermordeten der Nazizeit gestaltet hat.

Unser Dank gilt auch dem Herrn Bundespräsidenten Professor Horst Köhler, der heute Vormittag in der Orangerie des Charlottenburger Schlosses unseren Freund, den Kölner Künstler Gunter Demnig, persönlich geehrt hat. Dank ist gleichermaßen dem Rektor und dem Kanzler der Musikhochschule, den Herren Professor Siegfried Mauser und Dr. Alexander Krause, für die Bereitschaft abzustatten, dass im Gebäude des ehemaligen „Führerbaus“ diese Stolpersteine präsentiert werden können. Am 17. Oktober findet hier um 11 Uhr die Immatrikulationsfeier 2005 statt, und Herr Professor Mauser wird diese Gelegenheit wahrnehmen, zu der Ersten Station noch einmal einige Worte zu sagen.

In seinem Schreiben vom 29. August hat der Herr Bundespräsident dem Jubilar mitgeteilt, dass er ihm im Rahmen einer festlichen Veranstaltung den Verdienstorden überreichen wird. Frau Ioana Cisek wird Ihnen den Text der Begründung für die Verleihung jetzt vortragen:

[Link zum Begründungstext]

Soweit der Wortlaut der Ehrung durch den Herrn Bundespräsidenten. Vor seiner Abreise nach Berlin hat mir Herr Demnig in einem Telefonat noch einmal versichert, wie sehr er auf die Unterstützung von Stolperstein-Initiativen wie hier in München angewiesen ist. „Ohne Euch bin ich nichts“, hat er betont. Ich reiche diesen Dank an Sie alle weiter, die Sie uns in unserem Bemühen in den letzten anderthalb Jahren unterstützt haben. In einem Grußwort an uns schreibt er:

Liebe Freunde der Stolpersteine in München,

gemeinsam mit Uta Franke schicke ich einen lieben Gruß und einen Dank an die Initiative für die Stolpersteine in München – Dank für die geleistete Arbeit gegen die Widrigkeiten in München, die für viele Betroffene schlicht unverständlich sind.

In Deutschland liegen jetzt – im September 2005 – mehr als 6000 Stolpersteine in 106 Orten, und viele weitere wünschen sich die Steine auch für ihre Kommune.

Auch die Idee, dieses Projekt in ganz Europa zu realisieren, nimmt Formen an: Amsterdam, ‛s-Hertogenbosch, Kopenhagen, Paris und Odessa. In Österreich hatte ich schon Steine verlegt, und jetzt liegen weitere Anfragen vor.

Wir hoffen, dass ich die jetzt von Euch in der Musikhochschule „geparkten“ Stolpersteine irgendwann vor ihren Bestimmungsorten verlegen kann.

Nach dem langen Beitrag über seine Arbeit im „Spiegel-online“-Dienst am 30. September hat ihn eine Welle von neuen Bestellungen aus allen Teilen Deutschlands erreicht. Ich vermute, dass viele Sympathisanten besonders jener Satz bewegt hat: „Aus anonymen, scheinbar längst vergessenen Opfern werden ehemalige Mitmenschen und Nachbarn.“

Viele Botschaften haben uns aus dem heutigen Anlass erreicht, die ich nicht alle verlesen kann, in einem Brief aus Israel lagen 100 Euro von Professor Reuven Schindler, dessen Familie in letzter Minute aus München fliehen konnte. Nach seinem Besuch in München, bei dem ihn Werner Grube betreut hat, schreibt er:

„Das Gedächtnis ist mehr als Erinnerungen. Es ist eine lebendige Dynamik, aus der Vergangenheit für die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen zu lernen. Die kurzen Gespräche, die wir mit jungen Menschen hatten, gibt uns ein Gefühl des Optimismus. Auch die verschiedenen Gedenkstätten, die wir gesehen haben, und die Gebäude, die für die jüdische Gemeinde errichtet werden, gibt uns ein Gefühl der Hoffnung. Wir glauben aufrichtig, dass des Holocaust im Kontext von Erziehung und Toleranz gedacht werden muss.“

Nachdem Demnig bereits einen Stolperstein für Martha Liebermann in Berlin verlegt hat, die sich der Deportation durch den Freitod entzog, hat er heute dem Herrn Bundespräsidenten eine Patenschaft für einen Stein überreicht, der den Namen ihres Ehemannes Max Liebermann trägt.

Grüße soll ich Ihnen von unserem Freund Al Koppel aus Colorado übermitteln, für dessen fünf Familienangehörige hier in diesem Raum Stolpersteine liegen. Er wünscht uns allen aus Anlass des jüdischen Neujahresfestes, das gestern Abend begonnen hat, ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 5766. In unserem Gästebuch, das ich Ihrer Aufmerksamkeit empfehlen möge, kommt viel Zustimmung zum Ausdruck.

Unser besonderer Dank gilt dem Bratschisten Nils Mönkemeyer, einem Meisterschüler dieses Hauses, den Brigitte Schuchard jetzt einführt. Herr Mönkemeyer wird aus der Suite Nr. 3 e-moll von Max Reger und aus der Suite Nr. 5 c-moll von Johann Sebastian Bach vortragen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, in dem zitierten Bericht von „Spiegel-online“ lesen wir:

„Zunehmend stellen sich Bürgermeister zum Künstler auf die Fotos, die in den Lokalberichten über die Aktion erscheinen.“ So sind vor einer Woche mit Unterstützung der jüdischen Gemeinde Stolpersteine in Regensburg verlegt worden, einen Tag später, am 29. September, war dies in Freising möglich, und am 9. November werden sechs Steine in Dachau verlegt werden. Unsere Freundin Frau Grollke macht mich darauf aufmerksam, dass Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse der Hauptschule die Ergebnisse ihrer Recherchearbeiten und ihr Stolperstein-Projekt am 9. November im Jüdischen Museum in Schnaittach vorlegen werden.

Soweit sind wir in München leider nicht. Ich habe kurz nach der Ehrung noch einmal mit Demnig in Berlin telefoniert, und will Ihnen seine Mitteilung nicht vorenthalten, dass ihm am Rande des Veranstaltung mitgeteilt worden ist, den Herrn Bundespräsidenten hätten im Vorfeld des heutigen Tages kritische Stimmen aus München erreicht. Ich kann sie nur als Versuch interpretieren, dass die Ehrung rückgängig gemacht wird. Als Bürger dieser Stadt schäme ich mich und frage, wie lange wir noch als Argument für die Ablehnung der Stadt, Stolpersteine vor den Häusern der Opfer verlegen zu lassen, die Begründung hören müssen, dass die Opfer noch einmal gedemütigt würden, wenn auf den Steinen herumgetrampelt würde. Kommen die Gegner der Stolpersteine nächstens auf die Idee, die KZ-Gedenkstätte Dachau in eine besucherfreie Zone umwandeln zu lassen, wo zwischen dem 22. März 1933 und dem 29. April 1945 nicht weniger als 31.591 Menschen aus 27 Nationen ermordet wurden?

Diejenigen, die in dieser Stadt Verantwortung tragen, müssen wissen, dass unsere Energie solange nicht erlahmen wird, bis eine öffentliche Diskussion über diese Form des individuellen Gedenkens stattfindet. Wir wünschen nicht die Fortsetzung der Konfrontation zu Lasten der Erinnerung an die Toten. Aber wir erwarten, dass die Stadt München ihren Widerstand überdenkt, um weiteren Schaden abzuwenden. Dass Sie heute mit uns zusammen sind, ist ein Beleg für das breite bürgerschaftliche Interesse und Engagement in dieser Sache. Dafür möchte ich mich im Namen unserer Initiativgruppe herzlich bei Ihnen bedanken. Wir haben die Hoffnung, dass der Titel eines BR-Fernsehbeitrags „In München verboten, vom Bundespräsidenten geehrt“, der als Wiederholung heute Nachmittag ausgestrahlt wurde, nicht das letzte Wort bleibt.






EMPFANG
der Initiative STOLPERSTEINE München
anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
an Gunter Demnig
im Foyer der Hochschule für Musik und Theater, München




Nils Mönkemeyer beim Empfang für Gunter Demnig
in der Hochschschule für Musik und Theater, München

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