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STOLPERSTEINE - Projektvorschlag von Peter Weismann, Mai 2003


l WEGMARKEN

Ende April in Hamburg, - Ich besuche Freunde im Stadtteil Harvestehude. Auf dem Weg dahin fallen mir drei kleine, etwa zehn auf zehn Zentimeter große Messingplatten auf, die vor einem Hauseingang in das Pflaster des Trottoirs eingelegt sind. In jede Messingplatte ist ein Name mit Geburtsdatum gestanzt, das Jahr der Deportation, der Ort eines KZ's und das Wort "ermordet". Der Familienname auf den drei Messingtafeln ist der gleiche. Vater, Mutter, Kind lebten bis zum Tag ihrer Deportation 1941 in dem Haus, vor dem die drei Messingplatten in den Bürgersteig eingelassen sind.

Man stößt in Harvestehude auf viele dieser Gedenktafeln, - manchmal sind nur ein oder zwei, manchmal fünf, sechs und mehr in das Pflaster des Bürgersteigs eingelassen. Manchmal sieht man, wie im Strom der Fußgänger ein Passant stehen bleibt, die Tafeln betrachtet, ein anderer seinem Blick folgt und ebenfalls stehen bleibt, etwas sagt oder fragt, - ein kurzes Innehalten, ein suchender oder nachdenklicher Blick auf die Fassade des Hauses, ein Gruß, bevor man wieder seiner Wege geht.

STOLPERSTEINE nennt der Künstler Gunter Demnig das Projekt, das er in Hamburg und Köln initiiert hat und bis heute betreut.


II STOLPERSTEINE IN MÜNCHEN

STOLPERSTEINE ist ein Kunstwerk in progress, das in seiner schlichten Direktheit und archaischen Form berührt, wie ich es bisher nur in Buchenwald, Dachau und anderen authentischen Orten des Holocaust erlebte. Unaufwendig und selbstverständlich markieren die Messingplatten den individuellen Ort, holen das Geschehen ins Gedächtnis und in den Alltag der Gegenwart; - es sind Wegmarken, die jeden aufgesetzten Pathos, jegliche Monumentalität verweigern. Sie wirken in ihrem einfachen Da-Sein.

Ich möchte mich für STOLPERSTEINE in München einsetzen, weil ich sie für eine Bereicherung der öffentlichen Kultur in dieser Stadt halte.

Da ich annehme, daß es Gunter Demnigs künstlerischer Intention entspricht, unabhängig von ihm als Urheber, das Projekt STOLPERSTEINE auf lokaler Ebene zu übernehmen und fortzusetzen, stelle ich mir eine Realisierung in München im Sinne einer sozialen Skulptur vor, die
- langfristig über Jahre angelegt ist,
- unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters oder der Stadt steht,
- ausgehend von der Innenstadt konzentrisch in die umliegenden Stadtviertel hineinwächst,
- interdisziplinär Schüler aller Schultypen, Studenten der Erstsemester an der Universität, an Journalistenschulen, der Film- und Fernsehakademie, Jugendgruppen und -Organisationen und die Volkshochschule konkret in die Recherche bis hin zum Setzen der "Stolpersteine" einbindet, und von den Beteiligten mit unterschiedlichen Medien (Broschüren, Tonband, Video) dokumentiert und lokal veröffentlicht wird.

Der finanzielle Aufwand für die Realisierung des Projektes ist meines Erachtens unter Ausnutzung des gegebenen Synergiepotenzials überschaubar und selbst bei den derzeit knappen öffentlichen Haushalten im Rahmen einer Verbundfinanzierung von Stadt, Land, Münchner Firmen als Sponsoren und Spendengeldern aufzubringen,

Das für die Realisierung notwendige Netzwerk zu initiieren, zu organisieren und zu koordinieren ist mein Interesse.

ERSTE SCHRITTE

Mit Gunter Demnig wäre vorab zu klären, wie er die urheberrechtliche Seite seines Projektes sieht.

Frau Rachel Salamander, mit der ich über das Vorhaben gesprochen habe, hat grundsätzlich ihre Bereitschaft signalisiert, das Projekt ideell zu unterstützen.

ZUR INFORMATION

lege ich den Beitrag von Elke Heidenreich zu dem Buch "Stolpersteine" von Kirsten Serup-Bilfeldt (Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003) und das Porträt über Gunter Demnig aus dem gleichen Buch bei.


München, 30. Mai 2003. pw

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